Montag, 27. Februar 2017

|Behind the Screens#10| Fastnacht, Fasching, Karneval

Ich nehme wieder an der gemeinsamen Aktion von Stehlblüten und book-walk teil und habe einen Wochenrückblick fabriziert.

Fasching Harry Potter
Diesen Wagen fand ich grandios: "Harry Potter" inklusive fliegendem Auto und Hogwarts

Wie war Deine Woche? 


Ich kann mich nicht beklagen. Dank eines spontanen Arztbesuchs habe ich jetzt eine Schiene für mein Daumengelenk, und ich spüre eine deutliche Verbesserung und sitze nicht mehr jeden Abend mit einem Kühlkissen vor dem TV. 

Mein Frustrationslevel was Wintersportergebnisse betrifft ist noch immer ziemlich hoch: wenn ich mir zum ersten Mal seit Björn Dählie einen Lieblingslangläufer aussuche, dann ist es einer, der zwar auf allen Social Media Kanälen äußerst amüsant unterwegs ist (Team "für mehr Humor bei Männern"), aber gleichzeitig von einem Drama ins nächste schlittert. Das Wochenende von Emil Ivers in drei Worten: Stockbruch, Sturz und Tränen. Ich weiß jetzt schon, dass der mir in den nächsten Jahren noch einiges an Nerven kosten wird. Ansonsten bin ich recht wehmütig, wenn ich daran denke, dass die Wintersportsaison in zwei, drei Wochen vorbei sein wird. Das ging dieses Jahr noch schneller als in den Jahren zuvor. 


Fastnacht Pyramide Weihnachten
Weihnachtspyramide mit lebendigen Figuren


Am Wochenende war ich bei meinen Eltern daheim. Am Freitag beim Frisör, was dafür, dass meine Stammfrisörin nicht da war, ganz gut geklappt hat. Außerdem ist es immer wieder witzig, für einige Stunden in den Klatsch und Tratsch auf dem Land einzutauchen. Ich wurde außerdem genötigt, ein Glas Hugo (dieser fertig gemischte aus der Sektflasche) zu trinken. Pappsüß. Ich kann aktuell sowieso gänzlich auf Alkohol verzichten (wenn ich die Wahl zwischen Cocktail und (Paulaner) Spezi habe, werde ich mich IMMER für das Spezi entscheiden), wenn es denn trotzdem sein muss, dann bitte nur auf der Basis von hochwertigem Rum oder Whiskey (wie damals in Garmisch...). 

Am Samstag und Sonntag war ich mit meinem Vater auf zwei Faschingsumzügen. Obwohl ich aus einer Fastnachtshochburg komme, war ich nie ein begeisterter Faschingsfan. Aber mit meinem Papa zu den Umzügen zu gehen, macht Spaß. Das Wetter war an beiden Tagen super schön, was an Fastnacht eher Seltenheitswert hat. 


Fastnacht Aladin
Auch großartig: "Aladin" inklusive fliegendem Teppich

Was ich in dem Zusammenhang zum oben angesprochenen Thema Alkohol ergänzen möchte: bei mir ist es mittlerweile so weit, dass ich, wenn ich 15jährige Mädels sehe, die mit Sektflaschen oder Saft gemischt mit Alkohol herumrennen, denke, "was bin ich froh, dass ich keine Tochter habe, ich würde vor Sorge keine Nacht mehr durchschlafen..."

Seit der Biathlon-WM in Oslo weiß ich auch Sportveranstaltungen ohne Alkohol sehr zu schätzen. Nicht nur, dass es zu keinen Schlägereien kommt (beim Wintersport sowieso eher unbekannt), es gibt auch keine Dosen und Becher, die überall in der Natur verteilt werden. (Und ich werde auch nicht von französischen Maskottchen belästigt, aber das ist eine andere Geschichte...). 


Fasching Harry Potter
Hogwarts


Auf welche Buchverfilmung freust Du Dich dieses Jahr ganz besonders? 

Da ich überhaupt kein Fan von Buchverfilmungen bin, gibt es in der Hinsicht nichts, worauf ich mich freue. Erfahrungsgemäß gefallen mir Buchverfilmungen nur, wenn ich das Buch zuvor noch nicht gelesen habe. So ging es mir z.B. mit dem "Geisterhaus" von Isabelle Allende. Da habe ich das Buch erst im Nachgang gelesen und war überrascht, dass man im Film zwei Generationen zu einer zusammengefasst hat. Das hätte ich im Film gehasst, wenn ich das Buch zuerst gelesen hätte. 


Fasching Harry Potter
Die Zauberschüler von Hogwarts

Was war Dein Wochenhighlight? 

Folgende Konversation zwischen meinem Bruder und meiner Mutter, die, als sie ihn am Freitag in seiner Wohngruppe abgeholt hat, mitbekommen hat, dass er am Donnerstag Abend in einer Fastnachtsdisko für behinderte Menschen war. Dazu muss man sagen, dass mein Bruder, als er noch zu Hause gewohnt hat, nie im Leben eine solche Veranstaltung besucht hätte, geschweige denn sich dazu hätte überreden lassen, sich zu verkleiden. 

Mama: "Als was warst Du denn verkleidet?" 

Ich erwarte keine Antwort, denn mein Bruder lässt sich bei Fragen zu Veranstaltungen und Urlauben gerne jedes Wort aus der Nase ziehen. 

Mein Bruder: "Als Biene!" 

Daraufhin meine Mutter: "Als Willi?" 

Mein Bruder: "Ja, ich war der Willi!" 

Meine Mutter und ich müssen jetzt noch lachen, wenn wir daran denken, dass mein Bruder als "dicker Willi" auf dem Fasching war. Diese Rolle passt perfekt, denn mein Bruder ist genauso bequem wie Majas bester Freund und auch äußerlich gibt es gewisse Parallelen. Ich hoffe, von der Verkleidung gibt es fotografisches Material... 


Fasching Harry Potter
Ich fand die Kostüme genial. Die Schuluniformen von "Harry Potter" sind relativ einfach nachzumachen, aber was mir hier gut gefallen hat, ist, dass sie wirklich hochwertig aussahen. 

Ein weiteres Highlight was das Buch "Paper Princess", das ich mir am Freitag heruntergeladen und innerhalb von zwei Tagen verschlungen habe. Ich finde, es gibt nichts schöneres, als wenn man in einer Geschichte so versinkt, dass man nicht mehr aufhören kann zu lesen. Klar, das ganze ist keine Weltliteratur aber eine wahnsinnig gut gemachte "New Adult"-Geschichte, die mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Mehr dazu in meiner Rezension, die ich noch schreiben muss.

Sonntag, 26. Februar 2017

|Stefka reads| "Das Model und der Walflüsterer" von Ava Lennart

"Das Model und der Walflüsterer" von Ava Lennart

„Das Model und der Walflüsterer“ 

Ava Lennart
Chick Lit
Deutsch
E-Book
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Von diesem Buch habe ich vor einigen Wochen durch eine Blogtour erfahren. Interessanterweise wurde "Das Model und der Walflüsterer" von einem Autorinnen-Duo geschrieben, das als Pseudonym die Vornamen seiner erstgeborenen Kinder verwendet. Für meinen Aufenthalt in St. Moritz war ich auf der Suche nach etwas Leichtem für zwischendurch, habe mich an besagte Blogtour erinnert, und so ist dieses Buch auf meinem E-Reader gelandet. 

Das ehemalige Model Elle arbeitet diszipliniert an ihrer zweiten Karriere als Designerin von Umstandsmode. Bei einer Bootstour vor der Küste von Vancouver lernt Elle den attraktiven, für ihren Geschmack jedoch viel zu ungehobelten Alexander kennen. Kein guter Start für die beiden, denn er hält sie für eine oberflächliche Tussi und sie ihn für einen ungebildeten Hinterwäldler. Dank Elles Tochter im Teenageralter, die im Restaurant von Alexanders Eltern zu kellnern beginnt, laufen die beiden sich auch nach diesem unglücklichen Start weiterhin regelmäßig über den Weg und beginnen, hinter die Fassade des jeweils anderen zu blicken...


"Das Model und der Walflüsterer" von Ava Lennart


Okay, ich gebe es zu, das hört sich auf den ersten Blick nach einer x-beliebigen "Chick Lit"-Storyline an. "Gegensätze ziehen sich an", "was sich liebt das neckt sich", "die Schöne und das Biest", yada yada yada... Und trotzdem hatte ich viel Spaß beim Lesen von "Das Model und der Walflüsterer" (ohne die Blogtour hätte ich bei dem Titel übrigens kaum einen näheren Blick auf das Buch geworfen...). Einfach weil Elle und Alex ein tolles Paar abgeben, und es den Autorinnen gelingt, von Anfang an dieses gewisse Kribbeln herüberzubringen. Außerdem mag ich es, wenn die Phase der Annäherung relativ lange dauert, denn dadurch wird ein viel prickelnder Spannungsbogen aufgebaut, als wenn das Paar bereits auf Seite 20 zum ersten Mal eine gemeinsame Nacht verbringt. Dieses Mal fand ich auch das Drama am Ende - das mich bekanntermaßen meist tierisch nervt - gar nicht mal so übel. Obwohl es wirklich sehr dramatisch war, hat diese Wendung in der Geschichte Sinn gemacht und war spannend zu lesen - und nicht einfach nur ein "Warum überspringe ich die nächsten Seiten eigentlich nicht gleich, es kommt doch sowieso fünf Seiten vor Ende die Versöhnung und im Epilog wird ein Heiratsantrag gemacht / ein Baby wird geboren / treten die beiden vor den Traualtar?".

Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass "Das Model und der Walflüsterer" im Präsens geschrieben wurde. Ich kann mich nur wiederholen: das hört sich hölzern an. Insbesondere da hier auch bei Rückblenden in die Vergangenheit konsequent die Gegenwartsform beibehalten wurde. Das macht keinen Sinn für mich.

Trotzdem hatte ich viel Spaß mit Elle & Alex, und ich werde mir auch das neue Buch von Ava Lennart herunterladen, das am 01.03.2017 erscheinen wird.

Donnerstag, 23. Februar 2017

|Stefka travels| Travel Diary: St. Moritz zur Weltmeisterschaft im Ski alpin 2017 - Teil 5


St. Moritz Ski WM Flugshow


Samstag, der 11.02.2017 

Bei strahlendem Sonnenschein und Neuschnee machen wir uns morgens ein letztes Mal auf zur Haltestelle für den Shuttlebus. Leider haben noch sehr, sehr viele andere Menschen dieselbe Idee. Schließlich ist Wochenende, die Schweizer sind in der Favoritenrolle und stellen den amtierenden Weltmeister und das Wetter scheint - wie bereits erwähnt - perfekt. Die Schweizer sind ja eigentlich für ihr tadelloses Organisationstalent bekannt (Stichwort "funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk"), aber hier offenbaren sie Schwächen, denn die Anzahl der Shuttlebusse ist schlicht nicht ausreichend. Da man bereits am Vortag verkündet hat, dass 40.000 Zuschauer erwartet werden, wäre es eigentlich nicht schwer gewesen, auszurechnen, wie viele Busse man in der Minute schicken muss. Ich kann mir höchstens vorstellen, dass es nicht möglich ist, mehr Busse gleichzeitig die Serpentinen hoch zu schicken, aber dann hätte man sich einen anderen Weg überlegen müssen. Da zu Fuß hoch laufen aus den bekannten Gründen keine Option für uns ist, stellen wir uns geduldig in die Schlange (oder eher Menschenmenge, denn Mitteleuropäer können im Gegensatz zu Engländern ja keine Schlange bilden...) und konnten einen begehrten Platz in einem Kleinbus ergattern. 


St. Moritz Ski WM Abfahrt Herren


Oben auf dem Berg angekommen, wimmelt es vor Menschen. Bei traumhaftem Bergwetter verkürzt uns die Flugshow von Swiss Air und des Schweizer Militärs die Wartezeit. Ich kannte diesen Auftritt bereits von Bildern und Videos vom Skiweltcup in Wengen. Der Faszination einer solchen Flugshow kann auch ich mich nicht entziehen, jedoch werden bei mir unweigerlich Erinnerungen an das Unglück von Ramstein wach, und ich habe nie verstanden, warum die Schweiz als Nachbarland diese Katastrophe nicht zum Anlass genommen hat, auf solche Shows zu verzichten. Dass meine Bedenken nicht unberechtigt sind, wird sich eine Woche später zeigen: die Piloten der Militärjets fliegen zu niedrig und reißen eine Seilkamera herunter, die in den zum Glück leeren Zielraum stürzt. Das hätte ganz, ganz böse ausgehen können. 


St. Moritz Ski WM Flugshow


Sehr amüsant finde ich, wie es die Schweizer schaffen, während der Flugvorführung ihren ganzen Nationalstolz in die Moderation zu packen, alle Schweizer Vorzüge zu erwähnen und sogar einen Bogen zum Gotthard-Basistunnel zu schlagen. In Deutschland hätte man wahrscheinlich eher auf den "unendlichen" Berliner Flughafenbau, die Probleme mit Stuttgart21 und "die Elbphilharmonie ist zwar fertig aber viel zu teuer" verwiesen. Die Schweizer sind echt selbstbewusst und, by the way, viel lauter, als ich jemals gedacht hätte. Und zwar nicht nur die italienischen Schweizer, die ganz wie ihre "originalen" Kollegen gerne auf einem einsamen Berggipfel stehen und lautstark in ihr Handy brüllen (und morgens nur ein Croissant frühstücken). 


St. Moritz Ski WM Flugshow


Als um kurz vor 12:00 Uhr verkündet wird, dass das Rennen nicht pünktlich gestartet werden kann, trifft mich beinahe der Schlag, schließlich stehen wir - man kann es nicht oft genug erwähnen - im gleißenden Sonnenlicht. Weiter oben hat es jedoch Nebel. Die berühmt, berüchtigte Majolaschlange hat zugeschlagen.  Gaaanz toll. Jeder, der schon einmal mit mir bei einem Skirennen war, weiß was nun folgt. Eine Verschiebung. Und noch eine Verschiebung. Und noch eine Verschiebung. Und um 14:15 Uhr schließlich die endgültige Absage des Rennens. F-a-b-e-l-h-a-f-t. So bleibt mein skifahrerisches Highlight an diesem Tag, dass Aleksander Aamodt Kilde auf der Leinwand gezeigt wird, wie er während der Wartezeit eine Plastikflasche so gekonnt durch die Luft wirbelt, dass sie im Anschluss wieder auf dem Boden zum Stehen kommt. Und als Trost der Gedanke, dass eine Absage für mein armes Herz wahrscheinlich besser zu ertragen ist, als ein Ergebnis, das nicht in meinem Sinne ist (und "in meinem Sinne" kann ruhig sehr eng ausgelegt werden - alles ohne Medaille für Aleks oder Kjetil ist "nicht in meinem Sinne"). 


St. Moritz Ski WM Flugshow


M. darf während der ausufernden Wartezeit bei einer Schweizer Jungherrentruppe Glücksfee spielen und zwei Bingozahlen ziehen (ja, die spielen am Berg Bingo. Ich kenne das eigentlich nur aus Seniorenheimen und von (Fluss-)Kreuzfahrten. Und da soll mir noch einmal einer erzählen, es wäre merkwürdig, wenn man bei einem Skirennen ein E-Book liest...). 

Nach der Absage ist uns klar, dass ein sofortiger Run zum Shuttle Bus keine Option ist. Also bleiben wir noch ein bisschen auf dem Berg und M. muss leidvoll feststellen, dass es zu der sowieso schon teuren Wurst kein Brot mehr gibt. Der Versuch, anschließend einen Platz im Shuttlebus zu ergattern, scheitert grandios. Die wartende Menschenmenge ist groß, am Anfang kommen Busse in schneller Taktung, und das sieht alles gar nicht so schlecht aus, aber dann bricht der Busverkehr ab, und wir kommen 10-15 Minuten keinen Millimeter von der Stelle. Also geben wir auf und gehen zurück ins Zielgelände, wo wir uns mit einer Portion Pommes stärken. 


St. Moritz Ski WM Zielgelände


Da wir beide genug vom Shuttlebus haben, geht es zu Fuß zurück nach St. Moritz. Mir ist aufgrund der Steilheit und der Rutschgefahr zwar etwas mulmig, aber allemal besser als dieses ewige Anstehen am Bus. Bevor es den Berg hinabgeht, passieren wir einen Hubschrauber, der gerade dabei ist, einen verletzten Skifahrer abzutransportieren. Wie bei den "Bergrettern"! (Ich guck kein Netflix oder Amazon Prime, ich schaue Serien ausschließlich im ZDF und im BR). 

Einige Meter später werden wir von Volunteers (die hier Voluntari heißen) aufgefordert, den eigentlichen Weg zu verlassen und einen Abhang querfeldein hinab zu rutschen. Es stellt sich heraus, dass der Fußweg an der Stelle komplett vereist und kurz vorher ein Mann gestürzt ist. Genau der oben von mir erwähnte "Skifahrer" - der gar keiner war sondern ein Fußgänger.  Den Abhang rutsche ich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Hosenboden hinunter. Was Spaß macht, aber leider dazu führt, dass sich die Batterien meiner beheizbaren Einlegesohlen selbständig machen, weshalb ich zwei meiner teuren "Eneloop"-Akus verliere. Davon abgesehen kommen wir nach gefühlten 1.000 Stufen gut unten im Tal an, wo wir uns in der Wohung erholen und das Biathlonergebnis checken. 

Abends haben wir zum Glück reserviert, denn es sind ungefähr 10 x so viele Menschen in St. Moritz unterwegs wie Plätze in Restaurants vorhanden sind. Wir essen leckere Gnocchi in der Pizzeria "Arte" und auch dort stehen im Minutentakt verzweifelte Menschen auf der Matte, die einen Tisch suchen. Dazu noch ein paar größere Gruppen im Restaurant und der Lärmpegel steigt ins Unermessliche. Ich weiß wirklich nicht, wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, die Schweizer seien ruhig und eher "lethargisch". Hier ging es laut und temperamentvoll zu. War auf alle Fälle ein sehr amüsanter Abend (trotz "King Küng"-Sticker bei uns am Tisch). 

Nach einem finalen Spaziergang durch St. Moritz ging unser letzter Abend viel zu schnell zu Ende. 

Am darauffolgenden Sonntag sind wir abgereist. Die Abfahrt der Herren wurde zwar an diesem Tag direkt nachgeholt, aber erst so gegen 14:00 Uhr, das wäre inklusive Weg zurück vom Zielgelände viel zu spät geworden. Also haben wir uns die Abfahrt der Damen und die der Herren im Schweizer Radio angehört. Mit dem Ergebnis, dass mir das energische "d'Ilgga Schtuhetsch" (= die Ilka Stuhec) noch immer im Ohr klingt. Das Ergebnis bei den Herren war so furchtbar für mich, dass ich im Nachhinein froh bin, dass ich es mir nicht live anschauen musste. 

Das Gesamtfazit dieses Events lautet auf alle Fälle: was eine geniale Zeit. Und ich bin froh, dass ich einmal für ein paar Tage in der Schweiz gewesen bin, denn trotz, dass man allenthalben zu hören bekommt "die Schweiz ist unbezahlbar", ist die Landschaft im Engadin genau das: unbezahlbar und unvergleichlich schön.


Dienstag, 21. Februar 2017

|Stefka travels| Travel Diary: St. Moritz zur Weltmeisterschaft im Ski alpin 2017 - Teil 4

Freitag, der 10.02.2017 

Der Tag beginnt mit gechilltem Aufstehen. Das ist eh das Motto dieses Trips. Alles relaxt, alles easy.

Bircher Müsli in St. Moritz
Bircher Müsli

Zum Frühstück kehren wir im "Hauser" ein, wo ich sehr leckeres Birchermüsli mit Vollkornhörnle und Blutorangensaft esse/trinke. Anschließend machen wir einen Spaziergang zum und auf dem zugefrorenen See von St. Moritz. Leider hat sich das Wetter im Vergleich zum Vortag komplett gedreht, und es ist saukalt und ein bitterkalter Wind pfeift einem um die Ohren. Der See befindet sich im Ortsteil St. Moritz-Bad und liegt in der Ebene, während wir in St. Moritz-Dorf wohnen, wo es immer und überall steil bergan zu gehen scheint. 


Der zugefrorene See von St. Moritz
Der zugefrorene See von St. Moritz

Neben dem See statten wir der offenen Eishalle (die Olympiabewerbung hat sich ja zwischenzeitlich sowieso zerschlagen, aber bei der Sportstätte hätte man definitiv nachbessern müssen), einer Kirche und dem Hotel des österreichischen Teams (das sich außerhalb und nicht direkt am "Tiroler Berg" einquartiert hat) einen Besuch ab. Da wir mittlerweile total durchgefroren sind, treten wir anschließend den Rückweg zu unserer Wohnung an. 


Das Grand Hotel Kempinski in St. Moritz
Das Grand Hotel Kempinski in St. Moritz


Dort schauen wir den Slalom der Super-Kombi der Damen und müssen entsetzt feststellen, dass Lara Gut sich beim Einfahren für den Slalom schwer verletzt hat. Bizarrer Weise befindet sich die Klinik, zu der sie geflogen wird, nur wenige Meter neben unserer Wohnung und heißt auch noch "Klinik Gut". Da es draußen noch immer kalt ist, schauen wir im Anschluss den Sprint der Herren bei der Biathlon-WM in Hochfilzen. 


Der schiefe Turm von St. Moritz
Der schiefe Turm von St. Moritz


Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg in den Ortskern, wo wir sowohl dem schiefen Turm von St. Moritz als auch der Bobbahn aus Natureis einen Besuch abstatten. Mit ein bisschen Glück bekommen wir im "Hauser" einen Tisch, und ich schlage mir den Bauch voll mit einem Sandwich mit Tomate und Mozzarelle und Pommes. Sehr lecker. 

Die Siegerehrung im Kulm-Park ist an diesem Abend sehr voll, da die Schweizerinnen Holdener und Gisin die Gold- und die Silbermedaille gewonnen haben. Allerdings singen die Schweizer Fans bei weitem nicht so laut mit, wie ich das erwartet hätte. Manche gehen auch bereits mitten während der Siegerehrung, was mich zu der Frage veranlasst, warum komme ich dann überhaupt?! 

Mit einer Startnummernauslosung für die morgige Abfahrt der Herren haben wir überhaupt nicht gerechnet und freuen uns folglich umso mehr, als wir mitbekommen, dass diese im Anschluss stattfinden wird. Kjetil Jansrud darf als Zweiter auswählen und entscheidet sich für die Nummer 19, da er ab der Startnummer 10 mit Rückenwind rechnet ;-) . Als der Moderator ihn fragt "Geht es Dir gut?" antwortet Kjetil wahrheitsgemäß und eher überraschend für den Reporter: "Nein, nicht so... Ich habe eine Erkältung." Darauf der Moderator: "Erkältung? Warst Du mit dem Hirscher auf dem Zimmer?" (denn der leidet, wenn man den österreichischen Medien glauben darf, an der schlimmsten Erkältung EVER). Vielleicht sollten es die Herren im Ski alpin künftig mit der Emil Hegle Svendsen-Methode versuchen und zwei Monate vor einem Großereignis keine Frauen mehr küssen... Kjetil beweist mal wieder, dass er ein richtig lieber Kerl ist und macht ein sehr süßes Selfie mit dem Mädchen, dass seine Startnummer präsentiert. 

Dominik Paris fällt dadurch auf, dass er nichts schwätzt und als Antwort immer nur lacht. Seit ich letzten Sommer im Ultental war, kann ich mir vorstellen, was da für Haudegen wohnen. Ich finde ihn cool, und er erinnert mich stark an den ehemaligen deutschen Skispringer Christoph Duffner, der seine Schwarzwälder Maulfaulheit ebenfalls kultiviert hat. (Mittlerweile weiß ich, dass aus dem tiefsten Schwarzwald auch sehr gesprächige Jungs kommen. Aber das ist eine andere Geschichte...). 

Matthias Mayer ist der letzte, der eine Startnummer wählen darf (also mit Auswahl ist da natürlich nicht mehr viel). Das übriggebliebene Mädchen soll ihm eine Frage stellen. Im fällt aber keine ein. Der Moderator lässt nicht locker: "Du wolltest doch bestimmt schon immer etwas wissen!" Das Mädchen zu Matthias Mayer: "Hast Du eine Freundin?" Das Publikum brüllt vor lachen. Und ja, er hat eine Freundin. Die war sogar im Publikum. 

Uns ist sehr kalt, als wir nach diesem amüsanten Abend in die Wohnung zurückkehren.

Sonntag, 19. Februar 2017

|Stefka travels| Travel Diary: St. Moritz zur Weltmeisterschaft im Ski alpin 2017 - Teil 3

Muottas Muragl St. Moritz

Donnerstag, der 09.02.2017 

Zum Frühstücken geht es heute in eine Bäckerei am Bahnhof. Da mir nach einem süßen Frühstück ist, greife ich erneut zum seit gestern bewährten Nusshörnle.


Nußhörnle Nußkipferl Nußhörnchen


Wir haben den heutigen und den morgigen Tag zur freien Verfügung (ich schaue bei allen Sportarten außer Eiskunstlaufen und Kunstturnen lieber Herren als Damen, weswegen wir nur Karten für die Herren haben...), wobei ich zugeben muss, dass wir vorher überhaupt nicht geplant haben, was wir mit diesen beiden Tagen anfangen möchten. Zurück in der Wohnung und bei WLAN versuchen wir erst einmal herauszufinden, welche Berge rundum St. Moritz sich für Fußgänger lohnen. Mit den Suchbegriffen "beste Aussicht St. Moritz" komme ich auf den "Muottas Murgal" (von dem ich noch immer nicht weiß, wie man ihn ausspricht). Nach dem negativen Erlebnis von Garmisch 2015 (ich habe mir dank ewiger Wartezeit in der Eiseskälte auf den Zug am Eibsee die Grippe eingefangen), entscheiden wir uns mit dem Auto zur Talstation Punt Muragl zu fahren. Ist auch wesentlich schneller als mit dem Zug und das Parken ist sogar kostenlos. Für ca. 35 Franken fahren wir von dort aus mit einer altertümlichen Zahnradbahn auf den Gipfel. Der Preis schreckt mich nicht ab, schließlich war ich schon mehrfach auf dem Nebelhorn und immerhin einmal auf der Zugspitze. Und das hat sich immer gelohnt.


Muottas Muragl St. Moritz


Muottas Muragl St. Moritz


Muottas Muragl St. Moritz


Die Bergwelt enttäuscht mich auch an diesem Tag nicht, denn nach anfänglichem Nebel erwischen wir traumhafte Bedingungen. Ich habe vermutlich noch nie einen schöneren Tag in den Bergen erlebt. Die Sonne strahlt vom Himmel, alles ist mit einer dicken Schneeschicht bedeckt und an manchen Stellen glitzert es, als wären Diamanten im Schnee versteckt. Magisch! Es gibt definitiv nichts schöneres, als einen solch traumhaften Wintertag in den Bergen zu erleben. Da kann kein Strand der Welt mithalten. Und über Leute, die keinen Winter mögen, kann ich mittlerweile nur noch den Kopf schütteln. So etwas perfektes wird man an keinem Sommertag finden. Auch hat ein Urlaub in den Bergen und insbesondere im Winter einen viel größeren Mehrwert für mich als jeder Sommerurlaub. Ja, ich erinnere mich gerne an die Strandtage auf Fuerteventura im letzte Jahr. Aber so richtig eingegraben in meinem Gedächtnis hat sich nur so ein Erlebnis wie heute auf dem Muottas Muragl oder in 2011 auf der Zugspitze.


Muottas Muragl St. Moritz


Muottas Muragl St. Moritz


Auf dem Muottas Muragl gibt es keine Skifahrer sondern ausschließlich Fußgänger und ein paar Rodler. Das macht dieses Erlebnis angenehm ruhig und wenig überlaufen. Auch kann mir hier als Fußgänger im Winter richtig etwas unternehmen, denn es gibt den Philosophenweg, den man in drei Längen wandern kann. Allerdings sollte man ein bisschen trainiert sein, denn es geht mehrmals bergan und auf ca. 2.450 m ist das ganz schön anstrengend. Ich empfand die Luft als ziemlich dünn. Erinnert mich an meinen Aufenthalt auf 3.000 m in den USA. 

Seit dem Besuch auf dem Muottas Muragl weiß ich, was die "Schönen und Reichen" an St. Moritz finden. Den Ort selbst finde ich nämlich nicht so schön. Ich hatte keine klotzigen Wohnblöcke und eine völlig uneinheitliche Bauweise erwartet. Ich glaube, ich hatte eher ein einheitliches Ressort wie Vail/Colorado vor Augen. So bleibt Oberstdorf definitiv das schönste Bergdorf, das ich kenne. 



Muottas Muragl St. Moritz


Muottas Muragl St. Moritz


Zum Abschluss kehren wir auf dem Berg ein und essen Foccacia mit Tomate & Mozzarella. Zurück im Tal legen wir mit dem Auto einen Zwischenstopp bei Coop ein. Was ein enges Parkhaus! Zum Glück bin ich ein völlig unerschrockener Vorwärtseinparker. Am Abend machen wir einen entspannten Spaziergang durch St. Moritz inklusive unseres zur Tradition gewordenen Abstechers zum Hotel der Norweger. Also nur außen vorbei, nicht rein. Auf den Straßen ist auch an einem Ruhetag während der WM mehr los als in Garmisch an einem Tag mit Event.


Muottas Muragl St. Moritz


Muottas Muragl St. Moritz

Samstag, 18. Februar 2017

|Behind the Screens#9| Winter Wonderland, Bergliebe, Studentenausweis

Ich nehme wieder an der gemeinsamen Aktion von Stehlblüten und book-walk teil und habe einen Wochenrückblick fabriziert.

Wie war(en) Deine (letzten beiden) Woche? 

Wie der eine oder andere vielleicht gemerkt hat, habe ich letztes Wochenende keinen Beitrag zu "Behind the Screens" veröffentlicht. Das lag daran, dass ich erst am Sonntag am frühen Abend von meinem Trip nach St. Moritz zurückgekommen bin. Deshalb blicke ich dieses Mal auf meine beiden letzten Wochen zurück.

Die knappe Woche in St. Moritz war natürlich genial, und ich würde sie bereits jetzt als "Jahreshighlight" bezeichnen. Es waren einfach so entspannte, harmonische Tage. Weitere Details dazu verrate ich in meinem Travel Diary. Teil 1 und Teil 2 sind bereits online. 

Über die aktuelle Arbeitswoche kann ich ebenfalls nur wenig schlechtes sagen. Ich mag es, wenn ich mehr selbst Dinge erarbeite und beibringe. Nicht so schön ist, dass mein angegriffenes Daumengelenk (Sehnenscheidenentzündung) sich in der Urlaubswoche toll erholt hatte, ich aber am Donnerstag und Freitag durch intensives Scrollen und Klicken bei der Arbeit einen üblen Rückfall erlitten habe. Also heißt es wieder kühlen und schmieren. Eine endgültige Lösung ist das natürlich nicht, und ich bin ehrlich gesagt ein bisschen ratlos. Soll ich versuchen, meine linke Hand für das Arbeiten mit der Maus zu nutzen? Ganz ohne Maus geht es keinesfalls, denn an meinem Notebook arbeite ich zwar mit dem Touchpad (was mir für meine Hand schonend erscheint), aber am Standgerät ist die Maus immanent. 

Die Ergebnisse bei den Weltmeisterschaften im Ski alpin und Biathlon der letzten beiden Wochen reißen mich nur bedingt vom Hocker. Das muss bis Pyeongchang 2018 besser werden. Zumindest die gestrige Bronzemedaille von Leif Kristian Haugen war ein Highlight.

Heute war ich in der "Schwaben"-Ausstellung im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Die Ausstellung kann ich definitiv empfehlen. Man erfährt viel über die Geschichte der Schwaben - und dass es DIE Schwaben als einheitlichen Begriff eigentlich gar nicht gibt. Mir persönlich hat vor allem der Teil mit den "aktuelleren" Ausstellungsstücken gut gefallen, also die schwäbischen Erfindungen (die teilweise sogar eigene Verben nach sich gezogen haben wie z.B. "kärchern") und Kuriositäten wie z.B. die "Schwabenschaltung"  oder ein Bodenputzlappen namens "Frauenfreude".


Burger "Wurzelsepp" mit Süßkartoffel-Pommes im "Hans im Glück"
Burger "Wurzelsepp" mit Süßkartoffel-Pommes im "Hans im Glück"

Der erste Monat von 2017 ist bereits vorbei. Welches Buch hat euch bisher am besten gefallen und wieso?

Hier musste ich doch glatt kurz die in 2017 veröffentlichten Rezensionen auf dem Blog durchgehen. Aber jetzt weiß ich wieder, welches Buch mir bislang am besten gefallen hat: "Die Anatomie der Nacht" von Jenn Bennett. Eine super schöne Geschichte aus dem Genre "Young Adult", die ich wirklich von Herzen weiterempfehlen kann. Die "Königskinder" (= Verlag) haben es einfach drauf. 


"Muottas Muragl" St. Moritz
Auf dem "Muottas Muragl"/St. Moritz

Was war Dein Wochenhighlight (der letzten beiden Wochen)? 

- Mein Aufenthalt in St. Moritz. Vor allem der Ausflug auf den "Muottas Muragl", von dem ich morgen oder übermorgen erzählen werde.

- Am letzten Dienstag musste ich an der FH, an der ich unterrichte, mein Passwort zurücksetzen lassen. Hierfür muss man sich ausweisen. Da wurde ich nach meinem Studentenausweis (!) gefragt. Das hätte ich in meinem fortgeschrittenen Alter auch nicht mehr erwartet... Nachdem ich erklärt habe, dass ich Dozentin bin, konnte ich mich mit dem Perso ausweisen. 

Blogrückblick

- Ich habe mein derzeitiges Lieblingsfrühstück vorgestellt: "Overnight Oats"

- Ich habe einen gelungenen Krimi rezensiert: "Im Wald" von Nele Neuhaus

- Ich habe ein nicht ganz rundes Jugendbuch gelesen: "Kiss Me in New York" von Catherine Rider





Freitag, 17. Februar 2017

|Stefka travels| Travel Diary: St. Moritz zur Weltmeisterschaft im Ski alpin 2017 - Teil 2

Mittwoch, der 08.02.2017 

Nach einer Nacht mit wilden Träumen vom anstehenden Super G (Aleks gewinnt und verweist Kjetil auf den zweiten Platz. Er verschafft sich den entscheidenden Vorteil, da er direkt nach dem Start mit Hilfe von Schwimmbewegungen zusätzlichen Schwung aufnimmt...), frühstücke ich ein sehr leckeres Nusskipferl (die Schweizer können alles, was Nüsse beinhaltet) und anschließend fahren wir mit dem Shuttlebus entspannt zum Zielgelände. Wider Erwarten wird mir durch die Serpentinen nicht schlecht.

Der Zielraum ist sehr weitläufig, was uns als Freiraum liebende Zuschauer entgegen kommt und den Stehplatz auf der viel engeren Tribüne nicht vermissen lässt. Zunächst stehen wir etwas weiter oben im steilen Gelände, aber nachdem ich es schaffe, eine Flasche zu verlieren und ins Tal und mitten in den abgesperrten Bereich kullern zu lassen, stellen wir uns doch lieber weiter unten ins Flache. Da hat man zwar keinen Blick auf den Zielbereich, sieht aber einiges von der Strecke und auch die Leinwand. Der Abstieg löst bei mir Panikattacken aus. Sturz! Oberschenkelhalsbruch! Abtransport mit dem Hubschrauber! 


Ski-WM 2017 St. Moritz Super G


Die Wartezeit auf den Start ist angenehm, da es nicht zu kalt ist. Außerdem entdecke ich irgendwann, dass die Fahrer mit der Gondel direkt über unseren Köpfen gen Starthaus schweben. Peter Fill fährt ominöser Weise sogar zweimal hoch. Einmal zusammen mit Kjetil Jansrud. 

Das Rennen startet pünktlich um 12:00 Uhr, und ich werde langsam nervös. Am Anfang scheint Vincent Kriechmayer aus Österreich unschlagbar zu sein. Dann kommt jedoch Kjetil und übernimmt souverän die Führung. Das ganze Stadion freut sich mit, ich bin mir jedoch nicht sicher, ob sie Kjetil so gerne haben oder ob es der Schweizer an sich super findet, dass nicht mehr länger ein Österreicher führt. 

Kurz darauf geht Aleksander Aamodt Kilde an den Start und führt bei allen Zwischenzeiten bis kurz vor Schluss. Er kommt auf dem zweiten Rang ins Ziel, und er und Kjetil freuen sich so richtig von Herzen miteinander. Das ist der Teamspirit, den ich am norwegischen Team liebe. Das sieht man bei keiner anderen Nation, dass ein Nachwuchsfahrer wie Aleks so bedingungslos und herzlich integriert wird. Wenn das Rennen jetzt zu Ende wäre, hätte ich mein Traumergebnis. Zu schön, um wahr zu sein... 

Wenig später schiebt sich Eric Guay aus Kanada auf die 1 und sein Teamkollege Manuel Osborne-Paradis kommt quasi aus dem Nichts und fährt Aleks vom Podium. Das hat mir schon in dem Moment das Herz gebrochen, schließlich wäre es Aleks erste Medaille bei einem großen Event gewesen, aber im Nachhinein ist es noch viel, viel tragischer, denn er wird in der Abfahrt mit wenig Rückstand Sechster (da wird Kjetil unglücklicher Vierter) und in der Super-Kombi holt er mit einem Wimpernschlagrückstand einen weiteren vierten Platz. Das tut mir so leid für Aleks, denn er ist so ein lieber Kerl, der mir in der letzten Saison richtig ans Herz gewachsen ist. Zum einen war es super schön zu sehen, wie geduldig und freundlich er in Kvitfjell mit all den Fotowünschen und Umarmungen umgegangen ist. Außerdem war es herzerwärmend, wie er in Meribel die kleine Kristallkugel im Super G gewonnen hat und gemeinsam mit Lara Gut auf dem Podest gestanden ist. Er hat Lara Gut so begeistert angestrahlt und sich wie ein perfekter Gentleman verhalten, das war hollywoodreif. 


Ski-WM 2017 in St. Moritz Super G
Princess Pose!

Trotzdem muss ich zugeben, dass das Ergebnis des Super G besser war als 90% der Resultate, die ich in sechs Jahren Garmisch live miterleben musste... 

Nach einer teuren, aber riesigen Portion Pommes fahren wir mit dem Shuttlebus zurück ins Tal und reservieren für abends einen Tisch in einer Pizzeria. Wir haben also aus der Erfahrung des Vortages gelernt. 


Ski-WM 2017 in St. Moritz
Seit ich die Vlogs von Jon Olsson schaue, wollte ich unbedingt einmal Carspotting betreiben...

Da es weder ein Schweizer noch ein Österreicher aufs Podium geschafft hat, ist die Zuschauermenge bei der abendlichen Siegerehrung im Kulm-Park angenehm und überschaubar. Von mir gibt es dieses Mal trotzdem keine Fotos, denn wegen der Sehnenscheidenentzündung in meinem Daumengelenk habe ich während der gesamten WM auf meine große Spiegelreflex verzichtet und nur mit meiner kleinen Canon fotografiert. Hinter uns stehen ein paar österreichische Experten: "Der Guay ist aber jung!" (ähm ja, er ist auch nur Vater von drei Kindern und seit diesem Tag der älteste Weltmeister in der Geschichte des Ski alpin). "Ach, Audi ist Sponsor?" (jau, das kommt beim Ski alpin ja quasi nieeeeeee vor...). 


Ski-WM 2017 in St. Moritz
Die Nobeleinkaufsmeile von St. Moritz

Auf dem Rückweg vom Kulm-Park kommt uns eine norwegische Fangruppe bestehend aus lauter Herren um die dreißig entgegen. Sie rufen den Schweizern zu: "We showed you how to ski!" Erinnert mich an die "Escargot"-Rufe zu Fourcade bei der Biathlon-WM in Oslo 2016... Warum die Jungs nicht bei der Siegerehrung waren, ist mir allerdings ein Rätsel. 


Ski-WM 2017 in St. Moritz
Pizza in der Pizzeria "Arte"

Die Pizza ist sehr lecker und so groß, dass ich sie nicht ganz schaffe. Was bei mir so gut wie nie vorkommt. Den Gesamtpreis von knapp 23 Euro inklusive Getränk finde ich auch in Ordnung. Allerdings könnte ich trotzdem nicht in die Schweiz auswandern, denn (zumindest in St. Moritz) kennt man kein Spezi. Und ohne Spezi kann ich nicht leben...

Donnerstag, 16. Februar 2017

|Stefka travels| Travel Diary: St. Moritz zur Weltmeisterschaft im Ski alpin 2017 - Teil 1


Schneeparadies St. Moritz


Ich habe letzte Woche einige super schöne Tage in St. Moritz verbracht, was mir erneut gezeigt hat, dass die spontanen Entscheidungen häufig die besten sind (K., Du erinnerst Dich an unsere kurzfristige Buchung für die Eiskunstlauf-EM 2002 in Lausanne? Drei Hotelzimmer in einer Woche, aber es war eine geniale Zeit. Das Radieschen im Caipiroschka werde ich genauso wenig vergessen, wie übereifrige japanische Fans, die sich regelrecht zu Alexei Yagudin in den Aufzug geworfen haben). 

Eigentlich stand die Ski-WM in St. Moritz überhaupt nicht auf meiner Agenda. Dann wurde ich jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass man über Weihnachten auf Instagram Tickets für den Super G gewinnen kann. Wer möchte nicht die "norwegischte" aller Disziplinen live sehen? Also habe ich an den Feiertagen ein kleines Gedicht über Felix Neureuther verfasst. Bestimmte Wörter, die man dafür verwenden musste, waren vorgegeben. Das Ergebnis bitte nicht ganz ernst nehmen und gedanklich ein fröhliches "Narri Narro" an das Ende eines jeden Satzes anhängen. (Hoffentlich liest das Gedicht niemand aus meinem Heimatdorf, denn sonst muss ich künftig Büttenreden halten oder die "Schnitzelesbank" zusammenreimen): 

"Felix sitzt im Schnee voller Frust, 
die letzten Rennen raubten ihm die Lust. 
Zum Glück gibt es die weihnachtliche Pause, 
er nutzt die Zeit für eine familiäre Sause. 
In dieser Zeit baut Buddy ihn wieder auf, 
und Felix kommt zurück mit einem Lauf, 
im Slalom-Januar fährt er blitzschnell, 
und sein Stern strahlt wieder super hell, 
denn in Schladming, Kitz und Wengen, 
lässt er die Bretter richtig brennen. 
So steht er auf dem Stockerl ganz oben 
und bringt seine vielen Fans zum Toben..." 

Als ich am zweiten Weihnachtsfeiertag vom Familienessen zurückgekommen bin, kam in der Garage auf meinem Handy die Nachricht an, dass ich die Tickets gewonnen habe. Yay! Wen ich mitnehmen würde, war sofort klar, schwieriger war es, die verbleibenden, logistischen Dinge zu klären. Kann man in St. Moritz irgendwo zu einem vernünftigen Preis wohnen? Und wie viele Kilometer sind es eigentlich bis St. Moritz? Die Distanz stellte sich als unproblematisch heraus, unter 500 km, das fahre ich mit links (wohlgemerkt ICH, die mit 17 erst geheult hat, weil sie partout keinen Führerschein machen wollte und später, weil sie im ersten Anlauf durch die praktische Prüfung gefallen ist. ICH, die in den ersten Jahren weder Autobahn gefahren ist noch alleine getankt hat. Was kann ich sagen, der Mensch wächst mit seinen Aufgaben und mittlerweile weiß ich, dass ich aus jeder Stadt wieder herausfinde). 

Das Suchen einer Unterkunft stellte sich als etwas komplizierter heraus. "Ich habe ein relativ günstiges Hotelzimmer gefunden! Ups, doch nicht, das war nicht der Gesamtpreis sondern nur der Preis für eine Nacht..." Zum Glück gibt es Airbnb. Mit den dort angebotenen Wohnungen habe ich bereits in New York und Oslo gute Erfahrungen gemacht. Für St. Moritz gibt es da auch echt coole Unterkünfte, allerdings meist für größere Gruppen (= Skifahren mit der Clique), weshalb ich nur ein einziges passendes Angebot für zwei Personen gefunden habe. Super zentral gelegen und sehr günstig. Der Haken: die Einrichtung sah sehr ... traditionell aus und die Gastgeberin hatte bislang keine Referenzen. Manchmal muss man einfach Risiko gehen und das Beste hoffen... Und was kann ich sagen, es ist voll aufgegangen. Die Gastgeberin war super nett und hat z.B. alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit wir eine Einfahrtserlaubnis in die während der WM gesperrte Innenstadt bekommen. Außerdem war die Lage wirklich unschlagbar (falls sich jemand in St. Moritz auskennt, in einer Straße, die direkt vor der Nobeleinkaufsmeile abzweigt). Die Möblierung war zwar in echt nicht schöner als auf den Bildern (plus es gab einen Duschvorhang, was Personen, die schon einmal mit mir gereist sind, sofort als meinen persönlichen Alptraum identifizieren werden), dafür war es kuschlig warm und hatte das gewisse Retro-Feeling (und es ist nicht die hässlichste Ferienwohnung, von der ich jemals Bilder gesehen habe, denn die ist in Garmisch und wurde vor einigen Jahren von zwei Saarländerinnen angemietet). 

Komischerweise stellte sich vor der Abreise keine rechte Vorfreude ein. Ich denke, das lag in der Spontanität dieser Aktion begründet. Außerdem fühlte ich mich nach meinem Weihnachtsurlaub noch immer erholt und aufgrund einer beruflichen Veränderung Anfang Januar top motiviert. 


Ski von St. Moritz


Dienstag, der 07.02.2017 

M. und ich sind gegen 8:30 Uhr losgefahren und die Fahrt hat ca. 5 Stunden gedauert. Trotz des morgendlichen Berufsverkehrs hatte es rundum Stuttgart keinen stockenden Verkehr, was an eine Wunder grenzt. Wir sind auf der Autobahn über Ulm in Richtung Bregenz, anschließend ein kurzes Stück durch Österreich (wofür wir trotzdem beim ADAC ein "Pickerl" gelöst hatten), danach auf der Autobahn an Chur vorbei durch die Schweiz (Richtung San Bernadino. Zusätzlich gab es mehrfach Abzweigungen Richtung Lenzerheide, was mich zu der Überzeugung gebracht hat, dass alle Wege nach Lenzerheide führen...) und schließlich in Serpentinen den Berg hoch Richtung St. Moritz. Die Serpentinen haben mich echt geschafft. Trotz, dass ich der Fahrer war, habe ich mich den ganzen restlichen Tag wackelig gefühlt, und ich bin mir sicher, dass mir als Beifahrer furchtbar schlecht geworden wäre. Ich habe es als Training für einen Roadtrip durch Norwegen betrachtet, denn dort gibt es auch unendlich viele Serpentinen und Tunnels. Ich kann jetzt schon anmelden, dass ich den gesamten Roadtrip über fahren muss, denn ansonsten überlebe ich das nicht. 

Nach Bezug unseres kleinen Apartments, machten wir einen ersten Erkundungsrundgang durch St. Moritz. Dabei ist mir sofort die überall vorherrschende WM-Stimmung aufgefallen. Kein Vergleich zu Garmisch 2011. Man begegnete an allen Ecken Ski-Fans, die die sonst für St. Moritz typischen "Schickimickis" komplett verdrängt zu haben schienen. Also eher Funktionskleidung denn Pelzmäntel. 


Blick auf St. Moritz
Blick auf St. Moritz


Eigentlich wollten wir zu Fuß zum Zielgelände laufen, das Vorhaben haben wir jedoch abgebrochen, da man hierfür zunächst unendlich viele Stufen hoch wandern muss (ich weiß jetzt, warum man in Zusammenhang mit St. Moritz von einem BERGdorf spricht...), um im Anschluss einen sehr rutschigen Trampelpfad zu erklimmen. An der Stelle haben wir abgebrochen, denn es war schlicht zu gefährlich (seit meinem schweren Rollschuhunfall zu Kindertagen bekomme ich Panik, so bald ich das Gefühl habe, dass ich ins Rutschen komme). Außerdem stand ab dem Moment die Entscheidung, dass wir an keinem Wettkampftag zu Fuß zum Zielgelände hochlaufen werden, denn dass ist in Winterbekleidung schlicht nicht möglich, da man zu sehr ins Schwitzen kommt (um anschließend beim Anschauen des Rennens zu erfrieren). Ich bin echt immer für zu Fuß gehen, aber das war hier definitiv keine Option. 


Die Einfahrt nach St. Moritz-Dorf
Die Einfahrt nach St. Moritz-Dorf


Nachdem wir uns in der Wohnung frisch gemacht hatten, wollten wir eigentlich in einer Pizzeria zu Abend essen. Allerdings war diese bereits ausgebucht (womit wir an einem Dienstagabend nicht gerechnet hatten - also hätte sich meine übliche Verfahrensweise, bereits im Voraus alles durchzuplanen mal wieder bewährt...). Da ich an diesem Tag sowieso keinen richtigen Hunger hatte (wir erinnern uns an die Serpentinen...), haben wir uns in einem kleinen Pizza-Take-Away-Laden lediglich eine Pizzaschnitte geholt und dort gegessen. 

An der Stelle möchte ich auch gleich mein Fazit zum Thema "ist die Schweiz überhaupt bezahlbar" anbringen. Ja, es ist teurer als in Deutschland. Waschmittel für 12-15 Euro wird man in Deutschland vergeblich suchen. (Wobei das nicht nur am starken Franken und dem hohen Lohnniveau in der Schweiz liegt sondern auch am hart umkämpften Markt der Drogerieketten in Deutschland). Trotzdem gibt es Dinge, die nicht viel teurer sind als in Deutschland. Wenn ich in der Schweiz in einem Restaurant für 0,5 l Cola ca. 6 Euro bezahle, dann ist das nicht sehr viel mehr als 4,50 Euro für 0,4 l Cola in Deutschland. Natürlich schlägt eine Pizza für 18 Euro ordentlich ins Kontor, aber ich denke, wenn man alleine reist, kann man für ein Hauptgericht plus Getränk schon einmal 22 Euro bis 25 Euro bezahlen. Als Familie mit drei Kindern würde ich mir einen Trip in die Schweiz eher sparen... Mir haben alle Gerichte, die ich in der Schweiz gegessen habe, gut geschmeckt. Auch waren die Portionen reichlich. Da bezahle ich lieber etwas mehr, als dass es mir ergeht, wie damals in Lissabon, wo das Essen billig war, wir aber jedes Mal mit der Qualität Pech hatten, so dass mein Highlight der gesamten Reise ein Apfelkuchen bei "Starbucks" war... 


Das Hotel der Norweger - Crystal
Das Hotel der Norweger


Anschließend sind wir ein bisschen durchs abendliche St. Moritz spaziert. So haben wir auch gleich das sehr zentral gelegene Hotel des norwegischen Teams gefunden. Eigentlich ein sehr schönes Hotel - allerdings mit einem kleinen Fehler: es ist direkt gegenüber dem "Tiroler Berg" (= das österreichische Haus während der Ski-WM), weshalb den ganzen Tag und die ganze Nacht über lautstarke Beschallung mit Stimmungsmusik vorherrscht. Wer da empfindlich ist, wird vermutlich kein Auge zu tun. Um Kjetil Jansrud habe ich mir in der Hinsicht wenig Sorgen gemacht, denn der ist zum einen das Schnarchen seines Zimmerkollegen Aksel Lund Svindal gewohnt, zum anderen kann er bekanntermaßen immer und überall schlafen (vor dem Start in Kitzbühel, in der Pause zwischen den Durchgängen im Riesenslalom bei den Olympischen Spielen in Vancouver...). 


Edy im Kulm-Park
Edy im Kulm-Park


Im Kulm-Park, dem Ort der abendlichen Medaillenzeremonien, fand ein Konzert mit der Schweizer Band "77 Bombay Street", die auch den offiziellen Song zur WM aufgenommen hat, statt. Obwohl wir zuvor noch nie etwas von dieser Band gehört hatten, hat uns beiden die Musik gefallen. War um einiges passender und interessanter als "Ich und Ich" 2011 in Garmisch bei der WM...

Dienstag, 14. Februar 2017

|Stefka reads| "Kiss Me in New York" von Chatherine Rider

"Kiss Me in New York" Catherine Ride


„Kiss Me in New York“ 

Catherine Rider
Jugendbuch
Deutsch (Original: Englisch)
ausgeliehen von einer Freundin
3 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Eins vorneweg, das Buch wurde mir von einer Freundin mit den Worten "ah, in dieses Buch bin ich so gar nicht rein gekommen, ich weiß auch nicht woran es lag, aber lies Du es bitte, denn mich interessiert deine Meinung brennend" in die Hand gedrückt. Was für eine Referenz, aber ich wollte "Kiss Me in New York" trotzdem eine Chance geben, denn die Grundidee finde ich ganz fantastisch: 

Es ist Heiligabend und Austauschschülerin Charlotte brennt darauf, New York endlich verlassen zu können. Eigentlich liebt sie New York, aber seit dem sich ihr Hipster-Boyfriend auf unschöne Art und Weise von ihr getrennt hat, will sie nur noch zurück nach London zu ihrer Familie. Deshalb kommt es einer Katastrophe gleich, als Charlottes Heimflug aufgrund schlechten Wetters gecancelt wird und sie am JFK-Flughafen festsitzt. Dort wird sie Zeugin, wie Anthony böse von seiner Freundin abserviert wird. Charlotte und Anthony verbünden sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einer Schicksalsgemeinschaft und arbeiten Schritt für Schritt die einzelnen Kapitel in einem Trennungsratgeber ab. In diesem Prozess stellen sie fest, dass sie der Liebe vielleicht doch eine neue Chance geben sollten...


"Kiss Me in New York" von Chatherine Rider


Die Voraussetzungen für ein unterhaltsames Lesevergnügen sind bei dieser Storyline eigentlich gegeben: ich bin ein großer Fan des "eingeschneit an Weihnachten weit weg von der Familie"-Szenarios. Außerdem mag ich New York sehr gerne und spezielle Weihnachtsbücher gehören ebenfalls zu meinen Favoriten.

Trotzdem hat mich "Kiss Me in New York" überhaupt nicht gepackt. Hauptgrund dafür ist, dass Charlotte und Anthony als Charaktere so blass bleiben, dass sie auch keine Chemie in der Interaktion miteinander entwickeln. Ich hatte zu keiner Sekunde im Buch das Gefühl, dass es zwischen den beiden knistert.

Ein weiteres Manko ist, dass das Buch in der Gegenwartsform geschrieben wurde. Wie schon öfters erwähnt, ist das für mich keine gute Option für einen Roman, denn es klingt in 90% der Fälle ungelenk und stört den Lesefluss. Warum man eine Geschichte nicht klassisch in der Vergangenheitsform erzählt, ist mir ein Rätsel.

Da ich bereits mit einem anderen Buch desselben Verlages ähnliche Erfahrungen gemacht habe, denke ich, dass dessen Bücher eindeutig an ein sehr junges Publikum gerichtet sind. Also kein "Young Adult" (was man als jung gebliebener 30-Something, der heute nach dem Studentenausweis gefragt wurde, ohne Probleme lesen kann) sondern ein richtiges Jugendbuch, das auch noch sehr kindlich geschrieben wurde.

Außerdem ist mir ein Logikfehler aufgefallen: auf Seite 125 ist die Rede davon, dass Charlotte auf einer Party noch nichts aus ihrem Cider-Becher getrunken hat. Auf Seite 131 hat sie plötzlich einen leichten Cider-Schwips - obwohl sie auf den Seiten dazwischen nichts trinkt (ich habe die Seiten dazwischen mehrfach gecheckt). Das passt nicht zusammen.

Trotz einer gelungenen Grundidee also nur 3 Sterne von mir.

Freitag, 10. Februar 2017

|Stefka reads| "Im Wald" von Nele Neuhaus

"Im Wald" 

Nele Neuhaus
Taunus-Krimi
Deutsch
Hörbuch
4 Sterne

Der neueste Fall von Pia Sander und Oliver von Bodenstein beginnt mit einem in Brand geratenen Wohnwagen auf einem abgelegenen Campingplatz in der Nähe von Bodensteins Heimatort. Der Brand wird zu einem Fall für das K11, da in den Überresten des Wohnwagens eine männliche Leiche entdeckt wird. Es bleibt nicht der letzte Tote und für Oliver von Bodenstein entwickelt sich dieser Fall zu einem persönlichen Alptraum, denn er kennt alle Opfer und Verdächtigen bereits seit Kindesbeinen an. Als eine Querverbindung zum spurlosen Verschwinden von Bodensteins bestem Freund vor über 40 Jahren hergestellt wird, reißen bei Bodenstein längst verheilt und vergessen geglaubte Wunden wieder auf... 

Ich mag die Krimis von Nele Neuhaus (zumindest die ab "Schneewittchen muss sterben", die ersten Krimis finde ich ein bisschen langweilig) und habe alle Vorgängerbände gelesen. Bei "Im Wald" habe ich zum ersten Mal zu einem Hörbuch gegriffen, was meiner schwäbischen Mentalität geschuldet ist, denn als ich entdeckt habe, dass die gebundene Ausgabe teurer ist als das Hörbuch - ganz abgesehen davon, dass sie nicht zu den Vorgängerbänden passt, die als Taschenbücher in meinem Regal stehen - habe ich mich spontan für das Hörbuch entschieden. Da ich momentan mit dem Auto zur Arbeit fahre, passt das ganz gut, allerdings lege ich eher kurze Strecken zurück, weshalb ich ewig für dieses sehr lange (9 CDs umfassende) Hörbuch gebraucht habe. Es war entsprechend auch nicht ganz einfach, der komplexen Handlung mit vielen Protagonisten zu folgen. 

Nele Neuhaus gelingt es, wie man es von ihr gewohnt ist, ein Geflecht aus Beziehungen, alten Feindschaften und Missgunst in dörflicher Umgebung aufzubauen. Es ist spannend, wie nach und nach nicht nur echte Leichen sondern vor allem auch die, die unkörperlicher Natur sind - also all die dunklen, vergessenen und verdrängten Geheimnisse der Vergangenheit - ausgegraben werden. 

In dem Zusammenhang hat mich ein bisschen gestört, dass Oliver von Bodenstein plötzlich eine Reihe traumatischer Erlebnisse aus seine Kindheit wiederentdeckt hat, von denen in den Vorgängerbänden nie auch nur ansatzweise die Rede war, so dass man sich als Leser fragt, warum er nicht längst unter den Schatten seiner Vergangenheit zusammengebrochen ist. 

Was mich immer wieder an den Krimis von Nele Neuhaus fasziniert, ist, wie sie es schafft, dass man als Leser mit einem (vermeintlich) unschuldigen Verdächtigen mitfiebert und die Ermittler am liebsten schütteln möchte, wenn sie diesem ein Verbrechen unterstellen. So ging es mir bei "Im Wald" mit Elias Lessing, einem Zeugen des Wohnwagenbrandes, der sich den Ermittlern entzieht, weil er in der Vergangenheit gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat. 

Wie Nele Neuhaus bereits in ihrem Interview auf der Frankfurter Buchmesse angekündigt hat, stehen im Ermittlerteam im nächsten Band große Veränderungen an, denen ich zunächst sehr kritisch gegenüber stand, da ich Bodenstein sehr gerne mag und zu den wenigen Lesern gehöre, die ihn Pia Sanders vorziehen (aber ich mag auch Inspector Linley lieber als Barbara Havers. Es scheint da ein Muster zu geben...). In der Hinsicht hat mich "Im Wald" beruhigt, denn ich finde Cem und Tarik, die beiden Neuen im Team des K11, super und setzte große Hoffnungen in die beiden. 

Wer vor einem etwas längeren Krimi nicht zurückschreckt, dem kann ich "Im Wald" ans Herz legen., denn Nele Neuhaus liefert ihre gewohnte Qualität ab.


Dienstag, 7. Februar 2017

|Stefka creates| Frühstück: Overnight Oats



Heute präsentiere ich ein typisches Instagrammer- und Bloggeressen. Da ich es in den letzten beiden Wochen beinahe jeden Morgen gegessen habe, möchte ich es trotzdem an dieser Stelle präsentieren.

Man braucht:

- 80 g Haferflocken (ich finde, die feinen Haferflocken schmecken hier besser als die kernigen)

- 80 g Joghurt (ich nehme Sojajoghurt, man kann aber auch ganz normalen Joghurt nehmen)

- 80 ml Milch (ich nehme Mandelmilch)

- Zimt

- Obst, Nüsse, Kerne, Samen etc. je nach Geschmack




Abends die Haferflocken mit dem Joghurt und der Milch vermengen und mit Zimt abschmecken. Meine Portion für die Arbeit garniere ich gleich mit einer guten Handvoll tiefgefrorener Himbeeren. Über Nacht in den Kühlschrank stellen. 

Morgens stelle ich die Schüssel mit den "Overnight Oats" kurz auf die Heizung, damit die Himbeeren komplett auftauen.

Anschließend gebe ich ein paar Cashewkerne oder ähnliches darüber.

In Kombination mit Obst schmecken die "Overnight Oats" sehr lecker und meiner Meinung nach muss man sie auch nicht extra süßen. Ich liebe dieses Frühstück, denn es lässt sich super vorbereiten und macht lange satt.