Dienstag, 30. August 2016

|Stefka reads| "Was auch immer geschieht" von Bianca Iosivoni


"Was auch immer geschieht"

Bianca Iosivoni
New Adult
Deutsch
Kindle
4,5 Sterne

Callie studiert Medizin am College und kehrt zum ersten Mal nach längerer Zeit wieder in ihre Heimat Alabama zurück, um den Schulabschluss ihrer kleinen Schwester Holly zu feiern und den letzten Sommer vor deren Weltreise mit ihr und Stiefmutter Stella gemeinsam zu verbringen. Die Rückkehr nach Hause ist jedoch nicht nur mit positiven Gefühlen besetzt, denn Callie kommt auch nach Jahren nicht über den Unfalltod ihres Vaters hinweg. Sie projiziert all ihren Hass auf ihren Stiefbruder Keith, dem sie die Schuld an diesem tödlichen Autounfall gibt. Sie fällt aus allen Wolken, als Keith plötzlich ebenfalls in ihrem Elternhaus auftaucht. Vor allem, da sich unter ihren Hass ganz andere Gefühle zu mischen scheinen...

Nach dem Reinfall mit "Love & Confess" von Colleen Hoover war ich sehr unentschlossen, zu welchem Buch ich als nächstes greifen sollte. Über "Was immer auch geschieht" bin ich auf einem Buchblog gestolpert. Die positive Rezension hat mich neugierig gemacht, jedoch musste ich erst einmal recherchieren, ob es sich bei Bianca Iosivoni um eine deutsche oder eine englischsprachige Autorin handelt. Das Ergebnis: sie schreibt auf Deutsch, obwohl ihre Geschichten in den USA spielen. Eine etwas spezielle Mischung, die nach meiner Erfahrung auch in dem Ergebnis münden kann, dass der Autor eine Art Traumwelt schildert, die nichts mit der Realität zu tun hat. Den Eindruck hatte ich bei "Was immer auch geschieht" nie. Die Umgebung der Geschichte wirkte authentisch auf mich. Ich habe mich tatsächlich ins heiße Alabama zu den Cowboystiefeln versetzt gefühlt.   Trotzdem würde mich interessieren, wie eine deutsche Autorin auf die Idee kommt, eine typisch amerikanische College-Geschichte zu schreiben.

Dieses Buch hat mir sehr viel Spaß bereitet, und ich habe es an anderthalb Tagen an einem sonnigen Wochenende verschlungen. Die Geschichte von Callie und Keith ist spannend und aufgrund einiger Wendungen nicht von Beginn an vorhersehbar. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und mir hat das Kribbeln, das zwischen ihnen herrscht, super gefallen. Auch ist das hier endlich einmal ein Plot, in dem man nachvollziehen kann, warum es kompliziert ist, wenn sich Stiefgeschwister ineinander verlieben. Denn hier geht es eben nicht nur darum, dass die zwei Stiefgeschwister (und folglich nicht blutsverwandt) sind, sondern es steckt durch den Autounfall mehr dahinter.

Auch die Nebencharaktere sind witzig und liebenswert. Egal ob Callies Schwester Holly, ihre beste Freundin Faye oder ihr bester Kumpel Parker, sie alle bereichern die Geschichte.

Einzig den Übergang zu der einen oder anderen Liebesszene fand ich etwas hölzern.

Ich bin ein bisschen traurig, dass dieses Buch zu Ende ist. Ich hatte einfach so viel Spaß beim Lesen und fürchte, dass ich mit meinem nächsten Buch nicht genauso viel Glück haben könnte. Manchmal fällt es einem schwer, aus eine schönen Geschichte aufzutauchen...

Montag, 29. August 2016

|Stefka (re)reads| "Sophies Weltmeister" von Simone Posch

Ich habe mir überlegt, eine neue Kategorie einzuführen, in der ich meine absoluten Lieblingsbücher präsentiere, die ich gerne immer wieder lese. Es soll um Bücher gehen, die ich bereits vor einigen Jahren gelesen habe und von denen ich immer noch überzeugt bin. Denn kennt das sonst noch jemand, dass man beim ersten Lesen total begeistert ist, diese Überzeugung aber nicht ewig währt? So geht es mir ab und zu. Z.B. habe ich in einem Urlaub 2004 die ersten Bände der Stephanie-Plum-Serie verschlungen und auch danach diese Bände noch ein- oder zweimal gelesen. Dadurch, dass mich die späteren Teile der Reihe nicht mehr überzeugt haben (immer der gleiche Plot, außerdem bin ich "Team Morelli" und kann Ranger gar nicht ab), hat das auch auf die älteren Bücher abgefärbt, und ich könnte mir aktuell nicht vorstelle, diese noch einmal zu lesen. In meiner neuen Kategorie soll es hingegen um Bücher gehen, die mich auch nach Jahren begeistern. 




"Sophies Weltmeister - ein stürmischer Liebesroman"

Simone Posch
Chick Lit
Deutsch
4,5 Sterne (von 5 Sternen)

In Deutschland ist akutes Fußballfieber ausgebrochen, denn die WM im eigenen Land steht in den Startlöchern. Nur die 26-jährige Zahnärztin Sophie ist bislang nicht infiziert. Erst als sie vom DFB für einen Spezialauftrag engagiert wird, um die Zahnprobleme des englischen Nationalspielers Jeremy Beggs zu beheben, wird ihre Fußballeidenschaft geweckt. Oder ist es doch eher die Leidenschaft für Jeremy mit den wunderschönen, grünen Augen? Dann quartiert sich ihr alter Jugendfreund und Fußballkolumnenschreiber Olli bei ihr ein und bringt Sophies Leben noch mehr durcheinander.

Das Buch wurde kurz vor der Fußball-WM 2006 in Deutschland veröffentlicht und spiegelt für mich perfekt das Gefühl dieser vier unbeschwerten Wochen im Sommer 2006 wieder.  Sogar das Wetter ist in dem Buch genauso strahlend, wie es damals tatsächlich war. Wann immer ich die Leichtigkeit dieser Sommertage wiederaufleben lassen möchte, greife ich zu diesem Buch.

Der Schreibstil der Autorin ist locker und flapsig, weshalb man das relativ dünne Buch an ein, zwei Tagen verschlingen kann. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet, allen voran Hauptdarstellerin Sophie. Sie vertritt ihre Golf spielende Mutter in deren heimischer Praxis in Poschenbroich (das mich immer an Berti Vogts Heimatort Korschenbroich denken lässt) und weiß weder wo sie ihr Beruf noch die Liebe hinführen wird. Die Chemie sowohl zwischen Sophie und Jeremy als auch zwischen Sophie und Olli stimmt, weshalb das endgültige "Pairing" nicht von Anfang an absehbar ist.

Jedes Kapitel hat als Überschrift eine Spielpaarung der WM, wobei im Buch Mannschaften teilnehmen, die in echt nicht bei der WM 2006 dabei waren (China z.B.). Auf jedes normale Kapitel folgt eine Fußballkolumne von Olli, was inhaltlich und optisch eine nette Auflockerung darstellt.

Das Buch eignet sich auch, um die technischen Neuerungen des letzten Jahrzehnts Revue passieren zu lassen: SMS schreiben, ein Handy von Nokia besitzen, "Amica" lesen - alles nicht mehr wirklich en vogue.

Eine meiner Lieblingspassagen: "Ihr Kommilitone Thorben hat ihr zwar im zweiten Semester mal verächtlich erklärt, dass man sich WM-Gucken durch kontinuierliches Verfolgen der Bundesliga erarbeiten müsste..." Den Satz kann ich zu 100% unterschreiben;-)

Auch nach 10 Jahren hat mich "Sophies Weltmeister" wunderbar unterhalten und gedanklich zurück in den WM-Sommer 2006 geführt.

Leider hat die Autorin keine weiteren Bücher veröffentlicht, wobei ich den Verdacht hege, dass es sich bei "Simone Posch" um ein Pseudonym handelt. Von wegen Beggs = Becks (= David Beckham) und Posch = Posh (= Victoria Beckham). Auch "Sophies Weltmeister" ist aktuell nur gebraucht zu haben. Wer mich nett bittet, kann meine Ausgabe jederzeit ausleihen...

 

Donnerstag, 25. August 2016

|Stefka reads| "Love and Confess" von Colleen Hoover


"Love & Confess"

Colleen Hoover
New Adult
Deutsch
3 Sterne (von 5 Sternen)

Nachdem "Zurück ins Leben geliebt" ein voller Erfolg für mich war, dachte ich mir, ich könnte mit den weiteren New Adult Romanen von Colleen Hoover nichts falsch machen. Weitgefehlt... 

Auburn ist vor kurzem nach Texas gezogen. Warum sie das gemacht hat, obwohl sie die Umgebung und ihren neuen Job dort hasst, erfährt man im Laufe des Buches und kann aus Spoiler-Gründen nicht vorweggenommen werden. Als sie auf den jungen Künstler Owen trifft, gibt es endlich wieder einen Lichtblick in ihrem Leben. Leider nur für kurze Zeit, denn ihre Liebe hat keine Chance, so lange Auburn nicht riskieren möchte, das zu verlieren, was ihr wichtiger ist als eine neue Liebe...

Es nicht einfach, für dieses Buch eine sinnige Inhaltsangabe zu schreiben, denn die Autorin arbeitet wie gewohnt mit diversen dunklen Geheimnissen in der Vergangenheit ihrer Hauptpersonen, die erst im Laufe des Buches zum Vorschein kommen. Da ich hier keinesfalls den Überraschungseffekt zerstören möchte, muss ich mich bei meiner Zusammenfassung kurz fassen.

Das Thema "dunkle Geheimnisse" führt mich direkt zu einem Kritikpunkt, denn genau diese Schatten der Vergangenheit münden am Ende des Buches in eine Kette von Zufällen und schicksalhaften Begegnungen, die ich als Leser beim besten Willen nicht mehr als realistisch ansehen konnte. Hätte es Colleen Hoover bei einer Auswirkung auf das Leben der Hauptdarsteller belassen, hätte ich das akzeptieren können, aber als sie in den letzten Kapiteln noch einen und noch einen drauf gesetzt hat, war es für mich vorbei. Das war viel zu unglaubwürdig.

Da die große Auflösung erst am Ende des Buches stattfindet, hätte mich das nicht daran hindern sollen, 90% der Seiten zuvor als Lesevergnügen zu empfinden. Leider war das nicht so, denn ich habe mich von Anfang an in der Atmosphäre des Buches unwohl gefühlt. Ich habe Schwierigkeiten, hier die richtigen Worte zu finden, denn mir ist bewusst, dass es in gewisser Weise mein persönliches Problem ist, das ich nicht auf Colleen Hoover schieben kann, denn wenn es ihr darum ging, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, dann ist ihr das wunderbar gelungen. Von daher kann es durchaus sein, dass sie mich mit dieser Geschichte auf dem falschen Fuß erwischt hat.

Wahrscheinlich bin ich mit unpassenden Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Wie in meinem Post über "Zurück ins Leben geliebt" geschrieben, habe ich folgenden Plot erwartet: "Auburn, ein Kontrollfreak, trifft auf Owen, einen Künstler." Also etwas nach dem Motto "Gegensätze ziehen sich an". Die Zusammenfassung habe ich mir nicht aus den Fingern gesogen sondern tatsächlich in der Art recherchiert. Bekommen habe ich zwei Protagonisten, denen das Schicksal übel mitgespielt hat. Die sich beide in einer ausweglosen Situation befinden, da sie sich für andere aufgeopfert haben. Einen Teil meiner negativen Gefühle zu "Love and Confess" schreibe ich also mir selbst zu.

Trotzdem denke ich, dass es in der Geschichte weitere Unstimmigkeiten gibt, die mich mit einem unguten Gefühl zurückgelassen haben. Z.B. die vereinzelt stattfindenden Liebesszenen, die zu Zeitpunkten passiert sind, die sich für mich völlig falsch angefühlt haben. Wenn man relativ unerfahren ist, kurz vorher ein negatives Erlebnis mit einem anderen Mann hatte, kann man sich dann vorbehaltlos auf jemanden einlassen? Ich denke nicht.

Ich hoffe, ich konnte einigermaßen deutlich machen, warum ich dieses Buch nicht mochte. Das ist mir, glaube ich, noch nie passiert, dass ich bei einer Geschichte von Anfang an ein schwierig zu definierendes ungutes Gefühl hatte. Normalerweise krankt es an unsympathischen Protagonisten oder langweiligem Geschreibsel. Nicht jedoch an einer negativen Schwingung im Hintergrund. Deshalb würde mich brennend interessieren, ob es noch jemandem so mit diesem Buch ergangen ist? Ob noch jemand so stark zwischen "gefällt mir" und "kaum zu ertragen" bei den Büchern von Colleen Hoover schwankt?

Trotzdem möchte ich nicht verschweigen, dass mir auch etwas gut gefallen hat: die Kunstwerke von Owen, die im Buch abgebildet sind. Das fand ich zum einen eine originelle Idee, zum anderen wurde es auch gut umgesetzt. Damit kann ich mehr anfangen als mit Liedtexten.

Ich hoffe, das nächste Buch, zu dem ich greife, wird besser zu mir passen. "Love & Confess" gehört leider zu den Printausgaben, bei denen ich es bereue, dass ich sie nicht als E-Book gekauft habe. So könnte ich es einfach in meinen berüchtigten Ordner "Schrott" verschieben...

Montag, 22. August 2016

|Stefka reads| "Fünf am Meer" von Emma Sternberg


"Fünf am Meer" 

Emma Sternberg
Chick Lit
Deutsch
3,5 Sterne

Linn erwischt ihren Freund in flagranti. Nicht genug, dass damit ihre vermeintlich große Liebe Geschichte ist, sie verliert im gleichen Augenblick auch ihre Lieblingskollegin, denn diese ist die Affaire von Linns Freund, ihren Job, denn Linn ist in der Firma ihrer künftigen Schwiegereltern angestellt, und ihre einzige Familie, denn Linn ist Vollwaise. Mehr Unglück auf einmal geht kaum. Wie ein Silberstreif am Horizont erscheint da ein Erbermittler aus den USA, der Linn die freudige Nachricht überbringt, dass sie von einer ihr bislang unbekannten Verwandten ein Haus in den Hamptons geerbt haben soll. Da Linn aktuell nichts in Deutschland hält, besteigt sie den nächsten Flieger nach New York, um die Immobilie in Augenschein zu nehmen. Dabei stellt sie fest, dass sie nicht nur ein Haus sondern auch eine Senioren-WG geerbt hat.

Das Cover dieses Buches dürfte den meisten buchinteressierten Menschen bekannt sein, denn es wird nicht nur in jeder Buchhandlung prominent präsentiert, man kann es auch im Supermarkt und Zeitschriftenladen kaufen. Ich selbst habe das Buch von meiner Mutter ausgeliehen bekommen. Ich hätte es mir wohl eher nicht gekauft, denn ich habe die beiden früher erschienenen Romane der Autorin gelesen und war von diesen nur semi-begeistert. Als Lektüre für "zwischendurch" kam mir das Buch trotzdem gelegen.

Als erstes ist mir die recht gemächliche Erzählweise aufgefallen. Es passiert meist nicht viel und so dauert es z.B. bis zur Mitte des Buches, bis der erste potentielle neue Mann in Linns Leben auftaucht. Ich muss zugeben, dass ich zwischenzeitlich sogar den Klappentext noch einmal durchgelesen habe, da ich mir nicht sicher war, ob es in dem Roman überhaupt eine Liebesgeschichte geben wird. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Klappentext bezüglich dieses potentiellen Lovers irreführend ist.

Vielmehr als das Liebesleben von Linn steht in diesem Buch die Vergangenheit ihrer Erbtante Dorothy im Mittelpunkt. Als Leser begleitet man Linn dabei, wie sie ihre verstorbene, unbekannte Tante kennenlernt und das eine oder andere Geheimnis aus deren Vergangenheit aufdeckt. Das lässt einen als Leser nicht gerade vor Spannung an den Nägeln kauen, ist aber trotz aller Vorhersehbarkeit gut gemacht. An die Komplexität von Anne Gesthuysens letztem Roman kommt es trotz einiger Parallelen nicht heran.

Was mir von "Fünf am Meer" am meisten im Gedächtnis bleiben wird, sind die Landschaftsbeschreibungen der "Hamptons". Ich war schon vor diesem Buch fasziniert von den "Hamptons", denn nach all den Bildern, die ich von diesem Landstrich gesehen habe, möchte ich bei meinem nächsten New York Besuch unbedingt einen Abstecher dorthin machen. Dank der bereits oben erwähnten langsamen Erzählweise kommen die Landschaftsbeschreibungen gut zur Geltung und das Flair dieses Landstrichs wird an den Leser weitergegeben.

Die fünf Senioren, auf die Linn im Zuge ihres Erbes trifft, werden leicht schrullig geschildert, wie man es auch aus anderen Büchern dieses Genres kennt. Das führt bei mir persönlich dazu, dass ich mich an den typischen Freitag-Abend-ARD-Wohlfühlfilm erinnert fühle.

Bei manchen Erzählsträngen der Autorin hatte ich den Eindruck, dass sie nicht wirklich zu Ende erzählt werden. Z.B. unternimmt Linn große Anstrengungen, um das geerbte Haus wieder in eine Pension zu verwandeln. Das Thema bleibt gegen Ende gänzlich unerwähnt - so als hätte Linn selbst diesen Plan völlig vergessen. Entweder arbeitet man hier bereits auf einen zweiten Teil hin oder der Plot des Buches war zunächst anders geplant, als er tatsächlich ausgeführt wurde.

Unten auf Seite 383 steht m.E. ein Wort zu viel: "..., die ich in meinem Übereifer sofort gleich abgespeichert habe." Ich denke, da hätte entweder "sofort" oder "gleich" genügt.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass, wer leichte Literatur für zwischendurch sucht, mit diesem Buch gut bedient ist.

Samstag, 20. August 2016

|Stefka reads| "Zurück ins Leben geliebt" von Colleen Hoover | Zusammenfassung aller Bücher der Autorin

"Zurück ins Leben geliebt" 

Colleen Hoover
New Adult
Englisch
4 Sterne

Im Leben von Krankenschwester Tate stehen große Veränderungen an. Sie zieht zu ihrem Bruder nach San Francisco, um ein Studium zu beginnen. Am Tag des Umzugs stellt sich ihr ein unerwartetes Hindernis in den Weg: der völlig betrunkene Nachbar und Pilotenkollege ihres Bruders sitzt vor der Wohnungstür ihrer neuen Bleibe und bewegt sich keinen Zentimeter zur Seite. Nicht gerade der perfekte Start in eine lebenslange Freundschaft. Tate kann trotzdem nicht verhehlen, dass sie vom geheimnisvollen Miles fasziniert ist. Als er ihr ein Arrangement à la "friends with benefits" anbietet, ist sie bereit, sich an seine Regeln zu halten: keine Fragen zu seiner Vergangenheit und keine gemeinsame Zukunft. Trotzdem ahnt sie von Anfang an, dass es ihr nicht leicht fallen wird, sich diesen Regeln zu beugen.

Ich habe bislang ein Buch von Colleen Hoover gelesen: "Slammed", der erste Band aus der "Layken und Will"-Reihe. Ich fand das Buch nicht schlecht, mir kam am Ende nur zu deutlich eine gewisse "wahre Liebe wartet"-Missionierung durch, weshalb ich die anderen Bände der Serie nicht gelesen habe. Als ich herausgefunden habe, dass Colleen Hoover nicht nur Bücher im "Young Adult"-Genre schreibt sondern auch im "New Adult"-Bereich aktiv ist, habe ich mich entschlossen, ihr eine neue Chance zu geben.

Falls sich jemand fragt, was die Unterschiede zwischen diesen beiden Genres sind, bei "Young Adult" handelt es sich um Bücher, die für Jugendliche geschrieben wurden und entsprechend unschuldig formuliert sind. Mehr als Küssen ist nicht. "New Adult" hingegen ist wesentlich offensiver - also nix mehr mit "wahre Liebe wartet". Außerdem kann es durchaus sein, dass man eine größere Anzahl an "four-letter-words" (wie "f-u-c-k") findet.

"Zurück ins Leben geliebt" hat mich gut unterhalten. Die Geschichte ist abwechselnd in aktuelle Kapitel, die aus der Sicht von Tate erzählt werden, und Blicke in die Vergangenheit, die Miles Blickpunkt wiedergeben, gegliedert. Das fand ich sehr abwechslungsreich. Auch wenn ich von Anfang an eine grobe Ahnung hatte, was Miles Problem sein könnte, war dieser Teil trotzdem nicht vorhersehbar und folglich bis zum Ende spannend. An manchen Stellen hatte ich ein bisschen Angst, dass die Geschichte für mich kippen könnte, denn ich mag es gar nicht, wenn sich eine Protagonistin in Abhängigkeit zu ihrem Partner begibt. Manchmal wird in Jugendbüchern viel zu leichtfertig mit Themen wie "psychischer Missbrauch" umgegangen. Das ist für mich häufig ein schmaler Grat zwischen ernsthafter Aufarbeitung dieser Thematik und einem lapidaren "wahre Liebe ist unzerstörbar". Hier hat Colleen Hoover zum Glück immer die Kurve bekommen.

Da mir dieses Buch gut gefallen hat, habe ich mich mit allen bislang erschienen Büchern der Autorin beschäftigt und werde eine Übersicht über die englischen und deutschen Ausgaben anfügen. Bevor ich diese Übersicht zeige, möchte ich kurz anmerken, dass Colleen Hoover eine sehr interessante Autorengeschichte hat, denn ihr erstes Buch ("Weil ich Layken liebe") hat sie als Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter geschrieben. Aufgrund des positiven Feedbacks, das sie für dieses Geschenk bekommen hat, entschloss sie sich zu Veröffentlichung als E-Book im Selbstverlag. Das war so erfolgreich, dass echte Verleger auf sie aufmerksam wurden und so begann ihr märchenhafter Aufstieg zur Bestsellerautorin.

"Slammed"-Series | Layken & Will 

1) "Slammed" | "Weil ich Layken liebe"
2) "Point of Retreat" | "Weil ich Will liebe"
3) "This Girl" | "Weil wir uns lieben"
Außerdem gibt es eine Kurzgeschichte mit dem Titel "A Father's Kiss".

Diese Reihe ordne ich in den Bereich "Young Adult" (also eher harmlos) ein. Layken zieht mit ihrer Rest-Familie in eine neue Stadt und lernt den Nachbarn Will kennen und lieben. Es entwickelt sich eine klassische "verbotene Liebe", die sich durch dunkle Punkte in Wills Vergangenheit verschärft. 

"Hopeless"-Series | Sky & Dean 

1) "Hopeless" | "Hope Forever"
2) "Losing Hope" | "Looking for Hope"

Eine Novelle namens "Finding Cinderella" ergänzt die Reihe, die ich laut meiner Recherche ebenfalls als "Young Adult" zugehörig bezeichnen würde. Warum im deutschen die englischen Originaltitel durch andere (!) englische Titel ersetzt wurden, wissen die Götter. Band 1 wird aus der Sicht von Sky geschildert, Band 2 aus der Sicht von Dean. Das hat für mich immer einen faden Beigeschmack, denn es klingt nach Geldmacherei.


Die nachfolgenden Bücher gehören nicht zu einer Reihe sondern sind "stand-alone". Gibt es dafür eigentlich einen deutschen Ausdruck? Alleinstehende Bücher?!

"Maybe Someday" | "Maybe Someday"

Sydney & Ridge schreiben zusammen Songs und kommen sich so näher.
Das Buch werde ich mir kaufen. Es gehört in das Genre "New Adult".

"Ugly Love" | "Zurück ins Leben geliebt" 

Siehe oben, bereits gelesen und rezensiert. 

"Never Never" 

Eine Kooperation mit Tarryn Fisher. Bislang nicht auf Deutsch erschienen.

"Confess" | "Love and Confess" 

Auburn, ein Kontrollfreak, trifft auf Owen, einen Künstler. Wahrscheinlich hat hier der deutsche Verlag "love" hinzugefügt, damit potentielle Leser, die mit dem Wort "confess" nichts anfangen können, zumindest ein Wort verstehen... Das Buch nenne ich seit dieser Woche mein Eigentum.

"November Nine" 

Fallon & Ben treffen sich jedes Jahr am 09.11. Nach meiner Recherche noch nicht in deutscher Sprache erschienen.

"It Ends With Us" 

Lily steht plötzlich zwischen ihrer aktuellen Liebe Ryle und ihrer ersten, großen Liebe Atlas.
Brandaktuell aus dem August 2016. Folglich gibt es bislang keine deutsche Übersetzung.

Donnerstag, 18. August 2016

|Stefka travels| Freilichtspiele in Schwäbisch Hall

Die Freilichtspiele in Schwäbisch Hall sind für mich so etwas wie ein Traditionsevent. Wenn man in seiner Heimatstadt solch eine kulturelle Veranstaltung vor Ort hat, muss man das auch nutzen, finde ich. Ich wurde bereits in Kindertagen an die Freilichtspiele herangeführt, denn es gibt nicht nur die Stücke für Erwachsene auf der "großen" Treppe sondern auch jedes Jahr ein Theaterstück speziell für Kinder. Ich erinnere mich an Aufführungen von "Pippi Langstrumpf" oder "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer".

St. Michael und die Treppe

Der Spielort der Freilichtspiele ist etwas ganz besonderes, denn die Aufführungen finden nicht auf einer normalen Theaterbühne statt sondern auf den Stufen der Kirche zu St. Michael in Schwäbisch Hall. Das stellt die Akteure vor besondere Herausforderungen, denn diese müssen während des Theaterstücks ständig die Stufen auf und ab turnen. Das fordert nicht nur einiges an Kondition sondern auch Geschick, denn wie schnell gerät man auf den Stufen ins Stolpern. Vor allem da die meisten Stücke nicht nur ein gemächliches hin und her Schreiten sondern auch Rennen oder gar Kampfszenen beinhalten.

Der Marktplatz

Ich habe versucht zu rekapitulieren, welche Stücke ich in der Vergangenheit besucht habe und welche Momente mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Intendanten und Regisseure unter meinen Lesern sollten hier aufmerksam mitlesen, so zeigt es doch, welche Szenen sich beim Zuschauer einprägen.

1996 | 1997: "Im weißen Rössl" 

Ganz ehrlich, ich hätte nicht mehr gewusst, dass diese Operette mein erstes Stück auf der großen Treppe gewesen ist. Es war eine eher traditionelle Inszenierung (im Gegensatz zu der überzeichneten Version vor ein paar Jahren, die auf viel Kritik gestoßen ist). Mein Lieblingsmoment: als der Kaiser aus dem Rücken des Publikums vom Rathaus her eingezogen ist. Das war sehr erhaben.

1997: "Der Besuch der alten Dame" 

Hier streikt mein Gedächtnis ein bisschen, was vor allem daran liegt, dass ich hier fast zeitgleich eine ganz hervorragende Schüleraufführung gesehen habe. Gehört zu meinen Lieblingstheaterstücken.

1998 | 1999: "Der Glöckner von Notre-Dame" 

Zusammen mit "Jedermann" wahrscheinlich das perfekte Stück für diesen Spielort. Man bekommt "Notre-Dame" (= St. Michael) quasi kostenlos als Bühnenbild mitgeliefert. Ich werde nie vergessen, wie der Glöckner hoch oben an der Kirche am Zugseil der Glocke hing.

1998: "Nathan der Weise" 

Hier habe ich kein spezielles Highlight, aber ich mochte das Stück sehr. Traurig aber wahr, die "Ringparabel"ist mittlerweile aktueller denn je...

1999: "Die Jungfrau von Orleans"

Ich war mir kurz unsicher, ob ich dieses Stück wirklich gesehen habe. Aber dann fiel es mir ein, wie könnte ich die echten Schafe auf der Treppe vergessen!

1999 | 2000: "Cyrano - Das Musical"

Hier erinnere ich mich vor allem an meine Begleitung, denn ich hatte eine ehemalige Brieffreundin dabei. Es war schön zu sehen, wie sich jemand, der nicht mit den Freilichstpielen aufgewachsen ist, für den Ort und die spezielle Atmosphäre begeistert.

Das Rathaus

2000 | 2001: "Jedermann"

Das Stück, mit dem die Freilichtspiele in Schwäbisch Hall quasi geboren wurden. Ein Klassiker, den man in Schwäbisch Hall gesehen haben muss.

2000 Globe Theater: "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" 

Das war damals etwas ganz besonderes, denn 2000 war die erste Spielzeit im neugebauten Globe Theater. Da ich Shakespeare sehr gerne mag, hat mir auch diese Zusammenfassung seiner Werke super gefallen.

2001 | 2002: "Jesus Christ Superstar" 

Meine Mutter war ein riesiger Fan der ersten Aufführung von "Jesus Christ Superstar" auf der Treppe in der 90er Jahren mit dem damals groß in Mode kommenden Musicalstar Uwe Kröger. Sie war sehr enttäuscht vom "neuen" Jesus Christ, denn der war eher schmächtig und blieb für ihren Geschmack zu blass. Ich selbst bin nicht der größte Musicalfan und "Jesus Christ Superstar" gehört rein musikalisch definitiv nicht zu meinen Favoriten. (Außerdem muss ich automatisch an die Kür von Berezhnaya & Shliakov denken. Aber das ist eine andere Geschichte...). Ich glaube, ich bin damals nur mit, um meine Mutter zu begleiten...

2001: "D'Artagnan und die 3 Musketiere" 

Definitiv eine der größten Herausforderungen, die die Treppe je an ihre Schauspieler gestellt hat. Die Kampf- und Fechtszenen haben sich für immer bei mir eingeprägt.

2001 Globe Theater: "Romeo & Julia" 

Meine absolute Lieblingsaufführung, der ich je in einem Theater beigewohnt habe. Zum einen weil ich das Stück liebe. Für mich eine der schönsten Geschichten, die je erzählt wurde. Zum anderen waren Romeo und Julia hier genial besetzt. Vor allem der "Romeo" in Gestalt von Otto Beckmann war wirklich anbetungswürdig. Außerdem war eine Freundin von mir als Statistin dabei. Sie wusste nicht, dass ich in der ersten Reihe bei der Premiere im Publikum sitzen würde. Die Überraschung war groß. Auch werde ich nie den Moment vergessen, als sie einen Vorhang schließen musste, dieser sich aber als äußerst widerspenstig zeigte und sich erst nach größter Anstrengung zuziehen ließ.

2002: "Kasimir & Karolin" 

Ich mochte das Stück, kann mich aber partout an kein Highlight erinnern. Außer das oben erwähnte Freundin wieder als Statistin dabei war.

2003: "Der Name der Rose"

Ich mag den Film, das Buch gehört jedoch zu einem der wenigen Bücher, die ich jemals abgebrochen habe. Ich bin aufgrund der ausufernden historischen Schilderungen nie in die Geschichte hineingekommen. Das Theaterstück gefiel mir genauso gut wie der Film. Nicht nur wegen der einprägsamsten Szene, als sich der junge Mönchsgehilfe vorne auf der Bühne ausgezogen hat. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es sich hierbei um den "Romeo" aus dem Jahr 2001 gehandelt hat. Meine Statisten-Freundin und ich waren hin und weg. Der Otto...

2004 | 2005 | 2006: "Die Comedian Harmonists" 

Hier muss ich ein bisschen in meiner Erinnerung kramen, denn das Theaterstück wird durch den gleichnamigen Film überlagert. Irgendwie habe ich automatisch Heino Ferch vor Augen, wenn ich an die "Comedian Harmonists" denke... Und "Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück..." im Ohr. So schön traurig. 

2011 | 2012 | 2013: "Summer of Love - eine Revue über die wilden 60er" 

Diese Revue ist eine meiner Favoriten. Sie wurde speziell für die Freilichstpiele komponiert. Es geht um eine Gruppe Jugendlicher, die in den 60er Jahren in Schwäbisch Hall aufwächst. Sie kommen mit den amerikanischen GIs der nahegelegenen Kaserne in Kontakt, versuchen der Enge der Kleinstadt zu entfliehen etc. Mir haben sowohl die Geschichte als auch die Lieder super gefallen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der Moment, als ein schwarzer, amerikanischer GI auf einem Militärjeep unten an der Treppe entlang gefahren wird, während er auf dem Jeep steht und singt. Das war wirklich cool.

2011 | 2012 Globe Theater: "Boston Princess. Die Kennedys - ein amerikanischer Alptraum" 

Hier habe ich die Karten meiner Mutter zum Geburtstag geschenkt. Wir waren beide begeistert, denn das Stück war richtig schön bitterböse. Zu Schulzeiten war ich großer Fan der Kennedys. Das hat sich gelegt, nachdem ich "Owen Meany" von John Irving gelesen hatte. In "Boston Princess" kommt zumindest Robert Kennedy ganz ordentlich weg, während JFK als ziemlicher Trottel dargestellt wird.

2015 Globe Theater: "Männer" - eine Revue über das starke Geschlecht

Dieses Stück war ein Highlight, denn im Prinzip bestand es ausschließlich aus bekannten Liedern. Die wurden aber so gekonnt in Zusammenhang gebracht, dass man die verschiedenen Männertypen, die die Schauspieler repräsentieren sollten, perfekt erkennen konnte ("der Pantoffelheld", "der Aufreißer" etc.). Ein unvergesslich witziger Abend bei schweißtreibenden Temperaturen.

2016: "The Stairways to Heaven" - eine Revue über die 70er und 80er Jahre 

Das ist die Aufführung, die ich am vergangenen Wochenende gesehen habe. Alle meine amerikanischen Freunde wären amüsiert gewesen, denn die Aufführung startete mit dem Lied, das die Mauer zum Einsturz gebracht hat: "Looking for Freedom" von David Hasselhoff. Uns Deutschen wird ja eine seltsame Leidenschaft für dieses Lied nachgesagt. Ich muss zugeben, dass mir dieses Lied als Kind auch gefallen hat.

Das Bühnenbild war wie immer bei den Freilichtspielen eher reduziert und bestand aus einer silbernen Auflage auf den Stufen, die zum Leuchten gebracht werden konnte und aus einer ebenfalls silbernen Mauer, vor der die Schauspieler durch verschiedene Wegweiser die unterschiedlichen Ereignisse angezeigt haben (z.B. RAF oder das Wappen der Stadt Schwäbisch Hall).

Das Stück spielt in den Jahren 1972 bis 1989. Es geht um vier junge Menschen, deren Leben durch einen "Engel in Ausbildung" positiv beeinflusst werden soll (quasi das Gesellenstück, um ein echter Engel zu werden). Eine Protagonistin avisiert zur Karriere-Bankerin (wir sind schließlich in Schwäbisch Hall - da darf ein im Chor geschmettertes "Auf diese Steine können sie bauen!" nicht fehlen), ihr Angebeteter dealt mit Drogen und ist Musiker im Gewand eines Alt-Hippies, der Nerd wandert in die USA aus und entdeckt neben Steve Jobs auch seine Liebe zu Männern und die Punkerin verliebt sich in einen Jungen aus dem Osten. Trotz himmlischer Hilfe schlittern die vier ungelenk durchs Leben und bringen ihren Schutzengel zur Verzweiflung.

Das ganze wird mit historischen Ereignissen verwoben. So engagiert sich die Punkerin bei den "Grünen" und findet sich auf deren Gründungsparteitag in Sindelfingen wieder - gemeinsam mit Winfried, Jutta, Petra und Joschka. Hier fällt einer der stärksten Sätze ("Winfried, wenn du so weitermachst, schaffst du es bis zum Ministerpräsident!"). Auch die Toten der RAF oder Willi Brandts Kniefall werden thematisiert.

Diesen Punkt würde ich als einen der Schwachpunkte des Stückes ausmachen: manchmal schwankt es etwas unentschlossen zwischen Komödie und Tragödie hin und her und die Übergänge zwischen beidem wirken hölzern.

Die Musik der 70er und 80er Jahre steht ebenfalls im Mittelpunkt. Die Schauspieler singen live und auch eine Live-Band ist vor Ort. Die Darsteller haben mich um einiges mehr überzeugt als Andrea Berg am Tag darauf beim kurzen Umschalten von Olympia im ZDF in die ARD. Ansonsten ist vor allem die englischsprachige Musik aus den 70er und 80er Jahren so gar nicht meins, weshalb ich mit vielen Liedern nicht warm geworden bin. Mein Favorit war dann auch (peinlicherweise) "Fußball ist unser Leben".

Sehr amüsant fand ich am Anfang die Nachrichten, die vom Band kamen. Deutschlandweit: Die Mauer ist im Begriff zu fallen. Schwäbisch Hall: im evangelischen Bildungshaus sind im Kurs "Brokatengel basteln für Anfänger" noch Plätze frei.

Mein Fazit zu diesem Stück fällt durchwachsen aus. Mit den letzten drei Stücken, die ich gesehen habe und alle zu meinen persönlichen Highlights zähle, konnte "The Stairways to Heaven" nicht mithalten. Trotzdem ein kurzweiliger Abend, der seine Momente hatte.

Montag, 15. August 2016

|Stefka reads| - "Paris, du und ich" von Adriana Popescu

„Paris, du & ich“ 

Adriana Popescu
Young Adult
Deutsch
3,5 Sterne

Wenn die erste große Liebe in einer Enttäuschung endet...

Emma hat sich unsterblich in den Austauschschüler Alain verliebt, der quasi perfekt dem Klischee eines jungen Franzosen entspricht: groß, gutaussehend, aus reichem Hause, perfekte Manieren. Vermutlich ist es kein Zufall, wenn man hier als Leser den jungen Alain Delon vor Augen hat. Leider ergeht es Emma auch nicht besser als weiland Romy Schneider. Denn als sie Alain mit einem unangekündigten Besuch in den Herbstferien bei ihm zu Hause überraschen will, muss sie feststellen, dass dieser bereits eine Freundin hat, die zu allem Überfluss die kleine, rothaarige Emma in allen Punkten zu überstrahlen scheint. Diese sitzt nun allein und voller Liebeskummer in der Stadt der Liebe fest. Zum Glück ist sie nicht die einzige einsame Seele in Paris. Sie lernt den deutschen Leidensgenossen Vincent kennen, mit dem sie von nun an gemeinsam durch Paris streift. Immer mit der Prämisse, sich ja nicht ineinander zu verlieben...

Ich kenne alle bisherigen Bücher von Adriana Popescu und ihre Romane für Erwachsene haben mir allesamt gefallen. Besonders herausheben kann ich hier "Ewig und eins". Ihr letztjähriges Debut im Bereich Jugendliteratur "Sommer und vier Tage" konnte mich hingegen nicht komplett überzeugen. Die beiden Hauptdarsteller hatten nicht die Chemie, die ich mir wünsche. Außerdem habe ich das Buch als eher spannungsarm in Erinnerung. Deshalb stand ich "Paris, du & ich " zunächst skeptisch gegenüber und konnte mich nur aufgrund positiver Rezensionen und wegen des ansprechenden Covers zum Kauf durchringen.

Im Nachhinein war das keine Fehlentscheidung, wirklich begeistert hat mich das Buch jedoch auch nicht. Das liegt zum einen daran, dass mir bei Emma und Vincent wieder das entsprechende Kribbeln gefehlt hat. Hinzu kommt, dass Adriana Popescu ein ausgesprochen liebevolles Bild von Paris zeichnet, wobei mir diese Beschreibung zu positiv, ja beinahe zu kitschig ist. Ich denke nicht, dass es nur an den vielen schrecklichen Ereignissen der letzten zwei Jahre liegt, die mein Bild von Paris getrübt haben. Mir war vorher schon bewusst, dass Paris nicht nur aus romantischen Ecken besteht, sondern es eben auch Brennpunkte wie die Banlieus gibt. Einerseits finde ich es schön, dass sich die Autorin so für Paris begeistern kann, andererseits lässt diese rosarote Schilderung einen schalen Beigeschmack bei mir zurück. Sie scheint so weit weg von der Realität, dass es beinahe an ein Märchen erinnert.

Mein Fazit: ein solides, durchaus unterhaltsames Buch mit kleinen Schwächen. Ich werde mich in Zukunft eher auf die "erwachsenen" Romane von Adriana Popescu konzentrieren, denn mit ihren Jugendbüchern scheine ich einfach nicht warm zu werden...

Freitag, 12. August 2016

|Stefka travels| Kabarett & Comedy mit Michl Müller - "Ausfahrt freihalten"

Michl Müller - "Ausfahrt freihalten!"

Am letzten Sonntag im Juli war ich bei Michl Müller in Schwäbisch Hall im Neubausaal. "Michl, wer?", wird sich der eine oder andere an dieser Stelle fragen. Michl Müller kommt aus der Rhön (Nähe Bad Kissingen) und macht eine Mischung aus Kabarett und Comedy. Dieses Repertoire ergänzt er durch selbstgedichtete Lieder, die er live vorträgt. Einem breiten Fernsehpublikum bekannt ist er durch die Fernsehsendung "Fastnacht in Franken", die regelmäßig die Fernsehrekorde im Regionalfernsehen der ARD sprengt. Und bevor jemand fragt: ja, ich gucke so etwas.

Wie schon in meinem Jahresrückblick 2015 erwähnt, bin ich niemand, der die neuesten, amerikanischen Serien bei den einschlägigen "Streaming"-Anbietern schaut. Diese Serien sind mir zu düster und zu komplex. Allgemein mag ich es nicht, mich von einer Serie "abhängig" zu machen, d.h. diesen Zwang zu haben, alle Folgen schauen zu müssen. Das hängt damit zusammen, dass ich kaum noch bewusst TV schaue. Normalerweise läuft der Fernseher bei mir nebenbei, während ich etwas an meinem Notebook arbeite. Da funktioniert es schlichtweg nicht, dass ich mich in eine komplizierte Fantasywelt mit 50 verschiedenen Charakteren einarbeite. Falls sich jemand fragt, was ich stattdessen so schaue:

1. Sport: Wie bereits hier und hier dokumentiert liebe ich Sport im TV. Während der Fußball-EM z.B. hätte ich am liebsten auf keines der Vorrundenspiele verzichtet. Aktuell verfolge ich trotz Dopings und ZIKA-Virus die Olympischen Spiele in Rio. Das ist seit Kindertagen ein absolutes Highlight für mich. Und was habe ich zwischen Frankreich und Rio gemacht? Ich war im Urlaub. Und außerdem gab es da ein nicht unbedeutendes Dartturnier bei Sport1...

2. "Shopping Queen": Nix besseres, als wenn es mir freitags gelingt, so rechtzeitig Feierabend zu machen, dass ich um 15:00 Uhr die letzte Folge der aktuellen Woche schauen kann. Ansonsten bleibt die Hoffnung, dass am Samstag eine mir unbekannte Woche "Shopping Queen" wiederholt wird. Neben Guido und seinen Kommentaren finde ich es interessant, wie unterschiedlich die Bewohner der verschiedenen Städte so sind: die Berlinerinnen sind meist eher ausgeflippt und tätowiert, die Hamburgerinnen nordisch kühl und ein bisschen versnobt, die Kölner gut drauf und voller Lebensfreude. Klar, es gibt immer Ausnahmen, manches ist Klischee, aber ich stehe zu meiner Meinung, dass z.B. noch NIE eine unzickige Brasilianerin dabei war ;-)

3. Dokus: Da gibt es bei den öffentlich-rechtlichen Kanälen so manche Perle wie z.B. "Die Knochen-Docs - Geschichten aus der Heidelberger Orthopädie", "Auf drei Sofas durch...", "Der Chiemsee - zwischen Beach und Bergalm" oder "Traumhäuser". Bitte keine "scripted reality", kein großes Drama, einfach ehrliche Geschichten mit echten Menschen, gerne auch eher langsam erzählt. 

4. TV-Serien aus der guten, alten Zeit: "Hotel Paradies", "Unser Lehrer Dr. Specht" und auch die ganz alten Schinken wie "Der Forellenhof". Hier freue ich mich immer über eine Wiederholung. Auch aktuelle "Geschichten aus den Bergen" (also z.B. "Der Bergdoktor" oder "Die Bergretter") mag ich gerne. Bestimmte "Tatort"-Kommissare wie Bibi & Moritz (nein, nicht "Bibi und Tina"...) bringen mich ebenfalls zum Einschalten.

Damit ich mich nicht perfekter mache, als ich tatsächlich bin, darf eines nicht fehlen:

5. Auswanderer-Trash: Nein, menschenverachtende Formate mag ich nicht. Ich lehne es ab, wenn Menschen vor die Kamera gezerrt werden, die die Folgen ihres Tuns nicht überblicken. Aber "Die Auswanderer" auf VOX amüsieren mich köstlich. Vor allem Vollchaot Jens auf Mallorca gehört zu meinen heimlichen Highlights.

Zurück zum Programm von Michl Müller. Das startet mit einem Monolog zum aktuellen, politischen Tagesgeschehen. Da die Themen hier wirklich brandaktuell waren, gehe ich davon aus, dass dieser Einstieg ständig überarbeitet wird. Später geht dieser Teil relativ nahtlos in das eigentliche Programm namens "Ausfahrt freihalten" über. Hier bilden verschiedene Geschichten und Witze zum Thema "Autofahren" den lockeren Rahmen, wobei sich Michl Müller z.B. auch darüber wundert, dass es immer mehr Frauen mit Inkontinenz zu geben scheint - zumindest schließt er darauf anhand des überdurchschnittlichen Anteils dieser Problematik in der Werbung.

Das eher gesetztere Publikum (ich wage zu behaupten, dass ich zu den jüngsten/am jüngsten aussehenden Zuschauern gehört habe) ging von Anfang an super mit und die Stimmung war ausgelassen und sehr fröhlich. Michl Müller hatte keinerlei Probleme, das Publikum abzuholen. Ich denke, das liegt daran, dass er viele Situationen aus dem Alltag schildert, in denen sich jeder wiederfinden kann. Z.B. wenn er erzählt, dass er engagiert im Haushalt mithilft und kürzlich sogar ein Glas in die Spülmaschine geräumt hat! Was war der Dank dafür? "Wie hast du denn das reingestellt?!?!?!" Ich konnte es mir nicht verkneifen, hier meine Mutter anzuschauen, denn genau den Satz haben sowohl mein Vater als auch ich in der Vergangenheit um die Ohren bekommen. Mit dem Ergebnis, dass keiner mehr etwas in die Spülmaschine einräumt. Neben dem politischen Opening sind es also vor allem Szenen aus dem Alltag, die man geboten bekommt.

Das Bühnenbild war ziemlich reduziert und bestand aus einem Plakat und mehreren Lichtboxen, was aber völlig ausreichend war und den Fokus auf Michl Müller selbst gelegt hat.

Traditionelles Highlight von Michl Müllers Auftritten sind seine Gesangseinlagen, die er dieses Mal mit dem Hinweis, "jetzt kommt ein Protestsong" angekündigt hat - um dann doch festzustellen "das war wieder kein Protestsong...". Die meisten Lieder wie "Die Ingwerreibe" dürften eingefleischten Fans aus dem TV bekannt sein. Beeindruckend war die Länge des Programms. Beginn war um 18:00 Uhr, verlassen haben wie den Neubausaal um kurz vor 22:00 Uhr, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht. Allein der Teil vor der Pause erstreckte sich über 1 1/2 Stunden. Das Preis-Leistungsverhältnis war für mich absolut gewahrt. Ein Ticket der besten Kategorie hat 30 Euro gekostet.

Eine Zugabe gab es auch. In gesungener Form. Direkt vor mir. Mit Blick auf mich. Also quasi exklusiv für mich gesungen. Eine Situation, mit der ich ü-b-e-r-h-a-u-p-t nicht umgehen konnte. Mich vorne hinstellen und einen Fachvortrag halten? Mache ich sofort. Fachlich stehe ich gerne im Mittelpunkt. Aber keinesfalls persönlich. Da setzt bei mir sofort ein Fluchtreflex ein. Das müssen meine selbstdiagnostizierten leicht autistischen Züge sein... Als damit zusammenhängendes, weiteres Highlight wurde ich im Parkhaus von einer älteren Dame auf diesen Vorfall angesprochen: "Sie sind doch die, für die Michl Müller vorhin gesungen hat?!" An der Stelle sei erwähnt, dass es nicht meine Idee war, Tickets für die erste Reihe zu kaufen...

Ich würde Michl Müller trotzdem weiterempfehlen, denn es war ein unterhaltsamer und witziger Abend.

Mittwoch, 10. August 2016

|Stefka reads| "Mit Flipflops ins Glück" von Matthias Sachau

„Mit Flipflops ins Glück“ 

Matthias Sachau
Roman
Deutsch
4 Sterne

Nina ist Anfang dreißig und lebt mit ihrem langjährigen Freund Sami in Münster. Sie arbeitet im Café ihrer besten Freundin und ist eigentlich mit ihrem Leben zufrieden. Uneigentlich steht sie kurz vor dem Burn-Out, denn die Last, das Café seit geraumer Zeit alleine führen zu müssen, da ihre Freundin Baby-/Scheidungspause macht, wiegt schwer auf ihren Schultern. Außerdem stehen große Entscheidungen an, denn ihre Freund bekommt ein Angebot von einer Computerfirma in Sao Paulo und möchte, dass Nina ihn dorthin begleitet. Ausgerechnet Brasilien, das Land in dem Gero, ihre erste große Liebe mittlerweile lebt.

Für mich ein völlig überraschendes Buch, in dem etwas ganz anderes steckt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zunächst der Titel "Mit Flipflops ins Glück", der einen locker-flockigen Liebesroman ohne Tiefgang erwarten lässt. Was mich an dieser Annahme hat zweifeln lassen: ein männlicher Autor. Vielleicht sollte ich doch eher Comedy im Stile von Thommy Jaud (dessen Bücher mich mittlerweile nur noch nerven) erwarten. Auch das Cover konnte ich nicht wirklich einordnen, die stilisierte Landkarte von Südamerika gefällt mir, die teilweise pinken Flipflops und vor allem die Herzchen wollten jedoch nicht zu einem männlichen Autor passen.

Am besten einfach aufschlagen, nichts erwarten und sich überraschen lassen. Letzteres hat dieser Roman getan. Ich hätte nicht erwartet, dass ein männlicher Autor so gekonnt aus Sicht einer Frau schreiben kann. Oder überhaupt auf die Idee kommt, es zu versuchen. Obwohl das Buch nicht in Ich-Form verfasst wurde, schildert der übergeordnete Erzähler beinahe alle Kapitel aus der Sicht von Nina, nur jeweils einmal gewährt er Einblick in das Seelenleben von Sami und Gero. Ich hätte es bevorzugt, wenn man auf diesen Perspektivwechsel verzichtet hätte, bin gleichzeitig aber nicht sicher, ob das umsetzbar gewesen wäre.

Die Geschichte selbst hat mich durch ihre Melancholie überrascht. Auch gab es immer wieder Wendungen, die ich so nicht erwartet hatte, weshalb mir bis zur letzten Seite nicht klar war, auf welches Paar es hinauslaufen und ob Nina überhaupt ein "Happy End" beschieden sein würde. Nach diversen "Chick Lit"-Romanen nach Schema F war das das eine willkommene Abwechslung.

Für mich persönlich hatte "Mit Flipflops ins Glück" den Effekt, dass ich an meine Zeit im Schullandheim und auf einer späteren Klassenfahrt erinnert wurde. Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und die am weitesten zurückliegende schildert die Klassenfahrt von Nina und Sami nach Sylt, wo die beiden Münsteraner auf Gero und dessen Hamburger Klassenkameraden treffen. Ich selbst habe meinen Schullandheimaufenthalt ebenfalls auf Sylt verbracht und als wir zwei Jahre später auf Klassenfahrt in Berlin waren, sind wir Landkinder (und damit meine ich in diesem Fall wirklich tiefste Provinz. Ich hatte diverse Klassenkameraden mit Bauernhof daheim und dass man unseren Dialekt dort oben überhaupt verstanden hat, grenzt im Nachhinein an ein Wunder) auch auf eine Schulklasse aus der Stadt getroffen. Amouröse Verwicklungen ähnlich derer im Buch inbegriffen.

Mit den Olympischen Spielen von Rio aktuell im TV hat man auch gleich den passenden Hintergrund für dieses Buch vor Augen. Also der perfekte Zeitpunkt, um zu diesem Buch zu greifen.

Dienstag, 9. August 2016

|Stefka reads| "Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" von


„Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" 

Sarvenaz Tash
Young Adult
Deutsch
5 Sterne

Ahhhhh, ich muss direkt eine kurze, schwärmerische Passage einlegen, bevor ich zum Inhalt des Buches komme. So ein rundum gelungenes Buch hatte ich schon lange nicht mehr. Ja, ich habe in den letzten Wochen einige solide Bücher am Stück gelesen, aber wenn man viele ordentliche Bücher liest, wünscht man sich trotzdem den einen, großen Ausreißer nach oben. Den habe ich mit dieser wunderschön erzählten und gestalteten Geschichte definitiv gefunden.

Graham besucht die Highschool und gehört dort nicht zu den coolen Kids. Er ist von eher schmächtiger Statur, trägt eine Clark-Kent-Gedächtnisbrille, hat rote Haare à la Ron Weasley und liebt Comics und viele andere Dinge mit hohem "Nerd"-Potential. Trotzdem hat er sich in seinem Leben gut eingerichtet, denn mit seiner besten Freundin und Nachbarin Roxy und seinem hochintelligenten und sehr strukturierten (beinahe ins Autistische gehenden) Kumpel Casey hat er einen kleinen, aber feinen Freundeskreis um sich aufgebaut. Aktuell steht für die Nerd-Clique eines der Topereignisse des Jahres an: die Comic Convention in New York. Damit nicht genug, Robert Zinc, ein legendärer Comicautor, der sich vor vielen Jahren ins Privatleben zurückgezogen hat, plant im Rahmen der Comic Convention erstmals wieder an die Öffentlichkeit zu treten. Graham legt sich einen detaillierten Plan zurecht und möchte genau diesen Auftritt zum Anlass nehmen, um Roxy endlich seine Liebe zu gestehen. Schmerzhaft muss er jedoch feststellen, dass sich das wahre Leben nicht wie der Plot für einen Comic bestimmen lässt. Wobei das nicht heißen muss, dass so manche Wendung nicht zu einem viel besseren Ende führt...


Die schönen Illustrationen und phantasievollen Titel am Beginn eines jeden Kapitels


Schon rein äußerlich ist dieses Buch ein absolutes Schmuckstück. Als ich die deutsche Ausgabe aus dem Magellan-Verlag gesehen habe, wusste ich sofort, dass ich mir in diesem Fall ausnahmsweise nicht die englische Fassung für den Kindle kaufen werde. Wenn sich ein Verlag so viel Mühe mit der Gestaltung des Covers und auch der Kapitelüberschriften gibt, muss das belohnt werden. Zum Vergleich habe ich mir im Übrigen auch das amerikanische Titelbild angeschaut und dies ist wirklich einer der ganz rar gesäten Fälle, in denen ich das deutsche Cover viel schöner und gelungener finde. Das kommt selten vor, denn die amerikanische Covergestaltung ist normalerweise kreativer und innovativer als die deutsche.


Lieblingszitat I


Das Buch richtet sich an ein junges Publikum und ist dementsprechend leicht geschrieben. Mit der Folge, dass ich geradezu durch die Seiten geflogen bin und mich mehrfach bei dem Gedanken "Stopp! Ich möchte nicht, dass es so schnell zu Ende geht..." ertappt habe.

Das Buch wird durchgehend aus der Sicht von Graham erzählt, was ich sehr begrüße, denn ich kann mich mit Perspektivwechseln nur selten anfreunden. Außerdem denke ich, dass ein Autor genau dann seine Brillanz zeigt, wenn er eben nicht auf den Kniff, die Perspektive zu wechseln, zurückgreift, sondern es ihm gelingt, auch aus der Sichtweise nur eines Protagonisten einen Einblick in das Seelenleben aller wichtigen Personen zu geben. Genau das schafft Sarvenaz Tash. Man kann sich als Leser problemlos vorstellen, wie sich Roxy und sogar die Nebendarsteller in diesem Buch fühlen. 


Lieblingszitat II


Außerdem hat mich an dem Buch fasziniert, wie detailgetreu und authentisch die Autorin die Welt der Comic-Nerds schildert. Ich war bislang nur mit Teilen dieser ganz eigenen Welt vertraut (z.B. bekommt man einen kleinen Einblick, wenn man die Buchmesse in Frankfurt besucht und all die als Manga-Figuren verkleideten Besucher sieht), trotzdem habe ich mich mit dem Setting in diesem Buch sofort vertraut und vor allem auch wohl darin gefühlt. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber Sarvenaz Tash geht einfach wahnsinnig liebevoll mit allen Charakteren um und beschreibt auch das Umfeld auf eine sehr warme und respektvolle Weise. Das bezieht sich nicht nur auf das Comic-Fandom sondern auch auf die Leidenschaft für "Star Wars", "Harry Potter" (der in gewisser Weise die Freundschaft von Roxy und Graham begründet hat) oder John Hughes, der durch Filme wie "Pretty in Pink" die moderne, romantische Komödie quasi erfunden hat.

Ein weiterer Aspekt, der dieses Buch für mich zu etwas besonderem gemacht hat: es gibt mehrere (zumindest angedeutete) "Geschichten in der Geschichte". So erfährt man Details über die Liebesgeschichte von Grahams Eltern, man wird in die fiktive Comicwelt von Althena entführt und bekommt einen Einblick in den Comic, an dem Graham gemeinsam mit Roxy arbeitet. Alles ganz großes Kino. Ich wünsche mir, dass dieses leise, kleine Buch viele Leser findet, denn es hat mich verzaubert.


Lieblingszitat III


Montag, 8. August 2016

|Stefka reads| "The Matchmaker's Playbook" von Rachel van Dyken


„The Matchmaker's Playbook“

Rachel van Dyken
Wingmen Inc. #1
Chick Lit
Englisch Kindle
3,5 Sterne

Ian Hunters großer Traum von der NFL-Karriere wurde kurz vor Erfüllung durch einen Unfall zerstört. Stattdessen steckt er seine ganze Energie in sein Studium und in das Geheimprojekt "Wingmen Inc.", das er gemeinsam mit seinem besten Freund Lex gegründet hat. Dabei handelt es sich um eine Art Beratertätigkeit. Also im weitesten Sinne: die beiden helfen Collegestudentinnen, die sich nicht trauen, ihren Schwarm anzusprechen. Während Lex sich hauptsächlich um die technischen Details kümmert und z.B. Hintergrundinformationen zu den Klienten einholt, übt Ian mit den Kundinnen: Flirten, Küssen, Klamottenwahl etc. Das Geschäft floriert, aber dann muss sich Ian um einen besonders eigenwilligen Fall kümmern: Volleyballspielerin Blake, deren gesamter Kleiderschrank nur aus Sportklamotten (inklusive Adiletten) zu bestehen scheint und die möchte, dass ihr Sandkastenfreund sie endlich als Frau und nicht nur als "just one of the boys" wahrnimmt. Zum ersten Mal gerät für Ian eine der Grundregeln von "Wingmen Inc." ins Wanken, denn Kundinnen sollten für Lex und ihn strengstens tabu sein.

Kennste einen, kennste alle. Ja, die Plots von Chick Lit verlaufen nach dem gleichen Schema. Deshalb muss man aufpassen, dass man nicht zu viel aus diesem Genre in direkter Folge liest. In diesem Buch gibt es jedoch eine spannende Variante, die mir gut gefallen hat: das gesamte Buch wird aus Sicht von Ian, der männlichen Hauptperson erzählt. Also keine weibliche Erzählperspektive, kein übergeordneter Erzähler, keine nervigen Wechsel der Perspektive sondern alles vom Standpunkt eines Mannes. Um beurteilen zu können, wie gut die Umsetzung dieser Idee gelungen ist, muss man eigentlich ein männlicher Leser sein, da die bei diesem Buch aber dünn gesät sein dürften, kann ich zumindest sagen, dass ich beim Lesen nie den Eindruck hatte, dass etwas nicht passt. Rachel van Dyken hat einen pointierten Schreibstil, der vor allem in den Dialogen mit schnellem Wortwitz arbeitet. Das hat für mich gut gepasst. Warum es trotzdem nur 3,5 Sterne und nicht die für mich eigentlich "gut" bedeutenden 4 Sterne geworden sind? Am Ende war für mich irgendwie die Luft raus, wobei ich nicht beschwören kann, ob das am Aufbau der Geschichte oder an meiner aktuellen Überfütterung mit Romanen aus dem Bereich "Chick Lit" gelegen hat. Also 3,5 Sterne von 5 möglichen mit Tendenz gegen 4 Sterne.

Der zweite Band von Wingmen Inc. mit Lex in der Hauptrolle erscheint in den nächsten Tagen auf Englisch. Bis zur deutschen Übersetzung dieser aktuellen Serie der Autorin wird es ein bisschen dauern, aber ältere Bücher sind bereits auf Deutsch erschienen. Die Reihen heißen "Game of Love" und "Kiss and keep".

Freitag, 5. August 2016

|Stefka travels| Tirol - Highline179: die längste Fußgängerhängebrücke der Welt

Sehr beeindruckend: die "Highline179"-Brücke von unten

Auf der Rückfahrt haben wir einen Zwischenstopp in Tirol eingelegt, um die längste Fußgängerhängebrücke der Welt zu überqueren. Diese erstreckt sich über die B179 (deshalb auch der Name) und liegt in der Nähe von Reutte in Tirol. Sie verbindet die Burgruine Ehrenberg mit dem Fort Claudia. Parken muss man unten in Klause (so heißt auch die Abfahrt) und von dort ist der kurze, aber knackige Aufstieg hoch zu der Brücke zu bewältigen. Laut Beschilderung dauert dieser Aufstieg ca. 20 Minuten, aber ich glaube, wir haben es in der Hälfte der Zeit geschafft, wobei wir uns echt beeilt haben.

Oben angekommen muss man 8 Euro Eintritt bezahlen. Zusammen mit der Parkgebühr von 4 Euro mussten wir also pro Person 10 Euro bezahlen.

Auf der Brücke

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob die 406 Meter lange Brücke ihr Geld wert war. Obwohl der ganze Spaß bereits nach relativ kurzer Zeit vorbei war (einmal hin und wieder zurück, da braucht man nicht allzu lange dafür), würde ich dies bejahen. Das Bauwerk ist einfach faszinierend. Sehr hoch und sehr beweglich. Es ist ein total seltsames Gefühl, wenn man darüber läuft und der Boden sich deutlich bewegt. Ich hatte sogar kurz das Gefühl, ich könnte seekrank werden. Am Anfang fällt es einem sehr schwer, darüber zu laufen, da man das Gefühlt hat, jeden Moment zu stolpern. Mit der Zeit gewöhnt man sich an das Schwanken und kann das Geländer los lassen.

Für Menschen mit Höhenangst ist diese Attraktion völlig ungeeignet. Man sollte sich vorher definitiv überlegen, ob man sich vorstellen kann, ein hohes, schwankendes Bauwerk zu überqueren, denn sonst schmeißt man 8 Euro zum Fenster hinaus.

Für alle anderen ist es ein tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte.


Die Brücke von der Seite

Donnerstag, 4. August 2016

|Stefka travels| Südtirol - Spaziergang auf der Seiser Alm

Am letzten Tag ließen wir es ruhig angehen. Eine italienische Freundin kam mich besuchen, und wir sind gemeinsam mit ihr mit der Umlaufbahn auf die Seiser Alm gefahren. Wir waren froh, Seis verlassen zu können, denn an diesem Mittwoch war es dort ungewöhnlich warm.

Der FC Bologna im Intervalltraining

Von der Bergstation in Compatsch aus sind wir zur Sanonhütte marschiert. Der eigentlich einfache Spaziergang wurde aufregend, als wir uns plötzlich in mitten des Intervalltrainings des FC Bologna befanden! Es war wie im Film, plötzlich rannte eine Horde Fußballer direkt an uns vorbei. Und wieder zurück. Und wieder vorbei. Total klasse.


FC Bologna beim Yoga

Aber es wurde noch besser, denn der FC Bologna hatte die Sanonhütte für die Mittagspause reserviert. Nach einer Yoga-Einheit auf der Wiese vor der Sanonhütte - wo ich gerade eine Portion Bratkartoffeln verdrückte - setzten sich die Spieler an die für sie vorgesehenen Plätze. Ich war sehr gespannt, was für gesunde Speisen man ihnen auf einer Berghütte servieren würde. Wenig später traute ich meinen Augen nicht, denn es wurden Knödel, Platten mit Bratwürsten und literweise Sprite aufgetragen. Wie sie nach diesem mächtigen Essen nachmittags weiter trainieren wollten, war mir ein Rätsel. Dass man auf einer Berghütte quasi gezwungenermaßen zu deftigen Speisen greifen muss, konnte ich einigermaßen nachvollziehen, aber ich hätte wenigstens keine Softdrinks sondern Wasser dazu erwartet. Zumindest für genügend Vitamin C war gesorgt, denn zum Essen und Trinken wurden mehrere Schüsseln mit ganzen Zitronen gereicht. Einzelne Spieler verdünnten ihr Sprite mit bis zu fünf Zitronen...


Die riesige Bank aus dem "Fernsehgarten"

Nachdem wir uns ein weiteres Mal die überdimensionale Bank aus dem "Fernsehgarten" angeschaut hatten,  wanderten wir über Piz zurück nach Compatsch. Das war aufregender als erwartet, denn die Strecke umfasste u.a. einen steilen und steinigen Abstieg.

Zum Abschluss kehrten wir im Nordic Restaurant ein und fuhren anschließend mit der Umlaufbahn zurück nach Seis hinunter. Dort erwartete uns eine Hitze wie auf Malle. In der Sonne war es kaum auszuhalten. Wir zogen uns im Hotel auf die Dachterrasse in den Schatten zurück.

Leider war schon die Zeit für das letzte Abendessen in Seis gekommen: Nudeln mit Tomaten und Mozzarella, gratinierte Zucchini und als Highlight noch einmal das geniale Desertbuffet.


Folklore am Abend

Am Abend war wieder Shopping Night in Seis. Dieses Mal allerdings eine Nummer größer als die Woche zuvor, denn es war "Hexennacht". Es gab einige Verkaufsbuden, die allesamt "hexenmäßig" dekoriert waren, und ein großes Spielangebot für Kinder. Außerdem hat eine überraschend moderne Rockband gespielt. Ich glaube, das eine oder andere Mitglied unserer Reisegruppe hätte es bevorzugt, wenn die Lokalgröße Andreas Fulterer aufgetreten wäre. Apropos, das Highlight des Tages war, als herauskam, dass ausgerechnet er eine italienische Version von Helene Fischers "Atemlos" eingesungen hat. Wer gerne mal wieder herzhaft lachen würde, dem empfehle ich nach diesem Werk bei YouTube zu suchen.

Nach einem abschließenden Cocktail in der "Eckkneipe" war dieser letzte Abend in Seis viel zu schnell vorbei...

Mittwoch, 3. August 2016

|Stefka reads| "Best of Kreuthner & Wallner" von Andreas Föhr sowie eine allgemeine Empfehlung der Reihe


"Best of Kreuthner & Wallner"

Krimi
Deutsch 
Hörbuch
4 Sterne

Diese CD war ein spontaner "Mitkauf". Ich habe mir zwei Hörbücher bestellt und bei Durchsuchen des Onlineshops (ich bestelle Hörbücher immer online, da ich die Auswahl in Buchläden bescheiden finde und auch preislich online das eine oder andere Schnäppchen zu finden ist) bin ich auf diese Doppel-CD gestoßen. Eigentlich kein besonders sinnvoller Kauf, denn ich kenne bereits alle Hörbücher der Reihe um Clemens Wallner und Leonhard Kreuthner. Uneigentlich hat es mich interessiert, wie der Autor liest und was für Stellen er auswählt.

Bei dieser Doppel-CD handelt es sich nicht um ein klassisches Hörbuch sondern um Mitschnitte einer Lesung des Autors Andreas Föhr. Er hat aus allen bislang erschienenen Büchern Passagen ausgesucht, die sich hauptsächlich um den chaotischen, eigenwilligen, sehr bayrischen, beinahe anarchistischen Streifenpolizisten Leonhard Kreuthner drehen. Kenner der Serie werden es ahnen, es sind vor allem lustige Szenen, denn Leos Spürnase für das Auffinden von Leichen, sein Hang zu zwielichtigen Kumpels und seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden sorgen in den Büchern für die entsprechenden Lacher. Nur die Auszüge aus "Totensonntag" haben einen ernsten Charakter. Wer auf Szenen mit Opa Manfred wartet, wird enttäuscht. Der spielt keine Rolle. Auch Clemens Wallner kommt nur in wenigen Ausschnitten vor. Im großen und ganzen ist es ein "Best of Kreuthner".

Ich habe Überlegungen angestellt, wem ich diese Doppel-CD empfehlen kann. Schwierig. Für Neulinge sind die einzelnen Szenen zu zusammenhanglos, als dass man sich wirklich ein Bild von den Krimis machen könnte. Auch als Test für die Hörbücher eignet sich diese Lesung nur bedingt, denn hier liest der Autor selbst, während die Hörbücher vom fantastischen Michael Schwarzmeier gelesen werden. Kennern der Serie bieten Auszüge aus bereits erschienenen Büchern natürlich nichts neues. Mir hat diese Lesung trotzdem Spaß gemacht, denn zum einen fand ich es interessant, einmal den Autor selbst zu hören und zum anderen wurde ich an vergessene Szenen erinnert.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um die Bücher dieser Reihe im Detail vorzustellen:

"Der Prinzessinenmörder" 

Leonhard Kreuthner hält es im angetrunkenen Zustand für eine gute Idee, mitten in der Nacht auf dem zugefrorenen Spitzingsee Eisstockschießen zu betreiben. Hierbei findet er eine Mädchenleiche in einem goldenen Brokatkleid. Noch nicht einmal der Autor selbst ahnte es, aber in diesem Moment wird "Leichen-Leo" geboren. Im Anschluss befinden sich er und Clemens Wallner auf der Jagd nach einem Serienmörder, dessen Geschichte auf mehreren Zeitebenen erzählt wird.

"Schafskopf" 

Aufgrund einer im besoffenen Zustand akzeptierten Wette joggt Kreuthner morgens auf den Riederstein. Dort trifft er seinen äußert zwielichtigen Saufkumpanen Kummeder und wird Zeuge (bzw. Nicht-Zeuge, da er just in dem Moment unpässlich ist...), wie dieser erschossen wird. Andreas Föhr spielt erneut mit den Zeitebenen, denn dieser Fall begann bereits zwei Jahre zuvor mit einer Partie Schafkopf. In diesem Roman lernt man die legendäre "Mangfallmühle" (eine Spelunke übelster Sorte) im verlassenen Mangfalltal kennen.

"Karwoche" 

Dieses Mal ist ein illegales Autorennen von Kreuthner auf dem Achenpass der auslösende Moment für das Auffinden einer Leiche. Diese Leiche führt Clemens Kreuthner zu der versnobten, überkandidelten und durch und durch bösen Schauspielerfamilie Milruth.

Die Milruths sind mir besonders im Gedächtnis geblieben, denn ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob es so einen schrägen Clan wirklich gibt und ob der Autor eventuell sogar ein echtes Vorbild hatte. 

"Schwarze Piste"

Es ist Winter in Miesbach und Leonhard Kreuthner ist in spezieller Mission unterwegs: er möchte die Asche seines verstorbenen Onkels Simmerl auf dem Wallberg verstreuen. Natürlich illegal. Bei dieser Gelegenheit stolpert er über eine Leiche. Die Ermittlungen rund um diese Leiche führen Kommissar Wallner in die Zeit der RAF zurück.

"Totensonntag" 

Der ungewöhnlichste Krimi der Reihe, denn es ist Clemens Wallners erster Fall. Das Buch spielt im Jahr 1992 und beginnt mit einem Gelage auf einer Berghütte (quasi die frühe Form des Flat-Rate-Saufens), bei dem sowohl Kreuthner als auch der nüchterne Wallner anwesend sind. Die in diesem Zusammenhang auftauchende Leiche führt zu einer zweiten Erzählebene, die am Ende des zweiten Weltkriegs spielt.

Diesen Band der Reihe muss ich besonders loben, denn ich finde ihn großartig. Die Ereignisse im Mai 1945 werden ausgesprochen packend und düster geschildert. Das Jahr 1992 finde ich genauso spannend, denn Ermittlungen ohne Handy, hallo, geht das überhaupt?! Meine absolute Lieblingsstelle ist die, als geklärt wird, warum Clemens Wallner in all den später spielenden Büchern seine schützende Hand über Kreuthner hält. Wallner wird von seinem damaligen Vorgesetzten quasi dazu verpflichtet: "Passen Sie auf Kreuthner auf. ... - mit Typen wie Kreuthner funktioniert keine Diktatur auf der Welt." In Zusammenhang mit den im Buch geschilderten Ereignissen des Jahres 1945 fand ich das einen großartigen Satz, der mich zum Nachdenken angeregt hat.

"Wolfsschlucht" 

Dieser Band führt den Leser zurück ins berühmt-berüchtigte Mangfalltal, denn in der Mangfall wird ein mit Kreuthner gut bekannter Bestattungsunternehmer in seinem Leichenwagen tot aufgefunden. Dieses Mal tut sich Leichen-Leo nicht nur als Finder der Leiche hervor, denn er ist nicht ganz unschuldig daran, dass der Leichenwagen ausgerechnet in der Mangfall steht. Für Wallner wird dieser Fall besonders verzwickt, weil auch sein Opa Manfred tatkräftig mitmischt. Außerdem schafft es Kreuthner, für weitere Aufregung zu sorgen, da er den unglaublichsten Maibaumklau in der Geschichte Bayerns inszeniert. Allein wegen dieser Szene rege ich eine Verfilmung der Krimis an... 

Wenn ich mich für meinen Lieblingsregionalkrimi entscheiden müsste, würde meine Wahl auf diese Reihe fallen (noch vor Klufti und Kommissar Jennerwein). Einfach weil ich alle Charaktere überaus großartig finde. Ich habe eine kleine Schwäche für den immer frierenden, überkorrekten Clemens Wallner (wahrscheinlich weil er mir ähnlicher ist, als mir lieb sein kann...). Ich sehe mehr hinter Kreuthner als nur den Dorfpolizisten, der von einem Fettnäpfchen ins nächste tappt (denn eigentlich hat er ganz schön viel Grips). Ich kann mich köstlich über den "Weiberer" Opa Manfred amüsieren, der seinen Enkel durch seine Eskapaden immer wieder zum Schwitzen bringt. Außerdem sind alle Kriminalfälle wahnsinnig gut durchdacht, haben eine komplexe Handlung und Andreas Föhr versteht es meisterlich, mit den verschiedenen Zeitebenen zu spielen. Deshalb hoffe ich sehr, dass es einen neuen Band geben wird. Für mich sind die Geschichten noch lange nicht auserzählt. Z.B. würde mich brennend interessieren, ob jemals etwas aus Clemens und der Staatsanwältin aus dem Band "Totensonntag" geworden ist.

Aktuell höre ich das neueste Buch von Andreas Föhr namens "Eisenberg". Ich muss gestehen, so skeptisch ich am Anfang war, so gut hat mir der Anfang bislang gefallen. Man merkt, dass hier ein Autor schreibt, der sich in der Juristenszene auskennt (und der nicht irgendwelchen Tagträumen nachhängt, siehe meine letzte Rezension auf diesem Blog...).

Dienstag, 2. August 2016

|Stefka travels| Südtirol - Wanderung zu den Hexenbänken auf der Seiser Alm

Am Dienstag gab es das erste Highlight bereits beim Frühstück: der alleinreisende, vielessende, italienische Pianist vom Tisch gegenüber hat eine komplette Zitrone per Hand ausgedrückt - da wäre sogar der "Seewolf" neidisch geworden!

Wir wollten heute eine durchschnittliche Wanderung unternehmen (keine Herausforderung wie am Sonntag aber auch kein bloßer Spaziergang) und diese sollte auf alle Fälle auf der Seiser Alm stattfinden. Schließlich haben wir uns für die Wanderung rund um den Puflatsch und zu den "Hexenbänken" entschieden. Die Wanderung führt von Compatsch zur Bergstation Puflatschlift und über das Fillner Kreuz zum Puflatsch und zur Puflatschhütte und schließlich zurück zum Ausgangspunkt. Sie ist auch auf der kostenlosen Karte der Bergbahn als Tourenbeschreibung enthalten.


Schlern

Wir sind mit der Umlaufbahn von Seis auf die Seiser Alm gefahren. Die Umlaufbahn gehört in einer Hinsicht nicht gerade zu meinen Favoriten: es ist die Bergbahn, in der es mir bislang am häufigsten schlecht geworden ist. Ich weiß nicht, woran es liegt, entweder ist die Bahn besonders wackelig oder die wirklich lange Fahrtdauer (13 Minuten!) ist schuld. Dieses Mal ging es mir so schlecht wie bei keiner Fahrt zuvor. Das mag vor allem an der Hitze in der Kabine gelegen haben. An diesem Morgen war es besonders warm und die kleinen Dachfester waren - warum auch immer - geschlossen. Oben angekommen musste ich mich erst einmal erholen.


Blick auf die Seiser Alm beim Aufstieg zur Puflatschhütte

Die Wanderung beginnt direkt an der Bergstation in Compatsch mit einem steilen Anstieg zum Gasthof Puflatsch. Wir haben uns entschieden, den Anstieg zu Fuß in Angriff zu nehmen. Alternativ könnte man auch auf den Puflatschlift ausweichen. Wir haben unterwegs eine deutsche Wandergruppe überholt. So langsam sind wir also gar nicht. Okay, es war eine Ü50-Truppe, teilweise mit eher ungeeignetem Schuhwerk, aber wir sind trotzdem an ihnen vorbeigezogen, obwohl sie einiges an Vorsprung hatten.


CR7 kellnert jetzt im Gasthaus Puflatsch

Am Gasthaus Puflatsch haben wir eine kurze Rast eingelegt. Als erstes fiel uns der junge Kellner ins Auge. Sah von weitem aus wie Cristiano Ronaldo. Von nahem sah er immer noch aus wie CR7. Allerdings in der Teenagerausgabe... Dann wurde es dramatisch: plötzlich kam starker Wind auf und ein Sonnenschirm wirbelte durch die Gegend. Wir saßen fassungslos da und beobachteten die Lage. Bis der Sonnenschirm plötzlich auf uns zuflog! P. war die einzige, die geistesgegenwärtig reagierte und rief: "Auf, ins Häusle!" Wir saßen nämlich direkt an einem überdachten Sandkasten. Also so schnell als möglich dort Schutz gesucht. Zum Glück traten als nächstes CR7 und sein (ebenso gutaussehender) Kollege auf den Plan und konnten den Sonnenschirm einfangen.


Almwiese

Engelsrast

Schleunigst machten wir uns auf den Weg und wanderten an der Engelsrast vorbei zu den Hexenbänken mit Blick auf Kastelruth, Seis und das Grödner Tal.


Ausblick im Rahmen der Puflatschrunde

Blick auf St. Ulrich

Eigentlich wollten wir auf der Arnikahütte etwas essen. Leider war es dort so heiß, dass wir es nicht ausgehalten haben, weshalb wir uns entschieden, nur schnell etwas zu trinken und anschließend die Wanderung umgehend fortzusetzen und stattdessen zurück am Compatsch einzukehren.


Bergpanorama

Wunderschöne Bergwelt

In Compatsch kann ich besonders das Nordic Restaurant empfehlen. Dort kann man schön draußen sitzen und auch das Essen ist wirklich lecker. An dem Tag entschied ich mich für eine knusprige Portion Bratkartoffeln. Diese waren für einen Gasthof wirklich lecker (nichts übertrifft jedoch meine eigenen "home-made" Bratkartoffeln).


Bratkartoffeln

Die Fahrt zurück ins Tal war bedeutend angenehmer als die morgendliche Auffahrt. Was auch an den geöffneten Dachfenstern gelegen haben mag. Nach einer kurzen Shoppingtour im neuen Einkaufszentrum an der Talstation kehrten wir ins Hotel zurück, wo ich auf der Dachterrasse "Aprikosenküsse" beendet habe.

Zum Abendessen gab es für mich eine Steinpilzsuppe (die sehr sättigend war), Polenta mit Pfifferlingen und einen Kuchen mit Waldfrüchten.

Zum Abschluss des Tages fuhren wir nach Kastelruth zur Shopping Night. Dort machten wir u.a. den Kastelruther Spatzen Shop unsicher, in dem K. den Andreas Fulterer (genannt "der Flutscherer") kennenlernte (also nicht persönlich, nur seine CDs).

Überall in Kastelruth hingen Schilder, dass aktuell der FC Bologna zu Gast im Trainingslager in Kastelruth sei. Und wen trafen wir in einem kleinen Schreibwarenladen? Drei Spieler des FC Bologna. Einer von ihnen gab dort seinen Lottoschein ab. Verdient man als Spieler der Serie A so schlecht, dass man Lotto spielen muss?!

Das Parken ist in Kastelruth ein teuerer Spaß: wir haben für eine gute Stunde 3 Euro bezahlt!


Neues Denkmal für die Kastelruther Spatzen am Ortseingang in Kastelruth

Blick auf den Mond über dem Schlern von der Dachterrasse unseres Hotels aus.